Animal Man 3: Tote Welt: Das rote Reich (Comic)

Animal Man 3
Tote Welt: Das rote Reich
(Animal Man 0 & 13-18, Swamp Thing 17)
Autor: Jeff Lemire
Zeichnungen: Steve Pugh u.a.
Übersetzung: Josef Rother
Panini, 2013, Paperback mit Klappenbroschur, 180 Seiten, 16,99 EUR, ISBN 978-3-86201-679-2

Von Frank Drehmel

„Tote Welt“ ist das erste große Crossover zwischen zwei der neuen dunkleren Serien des „The New 52“-Relaunches, „Animal Man“ und „Swamp Thing“, welche auch durch ihren „mythologischen“ Hintergrund aufs Engste verbunden sind. Während Buddy Baker alias Animal Man als Krieger des Rots für die (irdische) Fauna einsteht, erhält Alec Holland a.k.a. Swamp Thing seine Kräfte aus der Flora, dem Grün.

Im vorliegenden Story-Arc treten die Helden gemeinsam – wenn auch nicht immer Seite an Seite – gegen die Vertreter der dritten elementaren „Naturkraft“, „der Fäule“, an, wobei die Handlung nach einem kurzen Prolog, in dem dargestellt wird, wie Buddy zum Animal Man wurde (in der US-Zählung Nr. 0) – unmittelbar die Ereignisse aus „Swamp Thing“ 2: „Familiäre Fäule“ (dt. bei Panini) anknüpft.

Nachdem Animal Man durch ein Dimensions-Portal der Falle entkommen konnte, die im Herz der Fäule der beiden Helden harrte, findet er sich nach einem Zeitsprung von rund einem Jahr auf einer verrotteten, von der Fäule beherrschten und verwandelten Welt wieder. Fast jeder normale Mensch und die allermeisten der ehemaligen Superhelden und -schurken sind zu Schergen der Verwesung und des Verfalls mutiert und nur noch ein kleine Schar von Kämpfern leistet der Fäulnis Widerstand, darunter Black Orchid, Beast Boy und Steel, welche Buddy Baker auch in Empfang nehmen, kaum dass er zurückgekehrt ist.

Sie geleiten ihn in das letzte Refugium des Rots, wo neben einigen Normalsterblichen weitere alte Bekannte auf ihn warten, unter anderem John Constantine und jener Hirte, der Buddy Baker ehemals auf seiner Reise durch das Rot begleitete und leitete. Doch es bleibt keine Zeit, auszuruhen, denn einmal mehr bestürmen die Armeen der Fäulnis das Refugium und kaum, dass diese zurückgeschlagen sind, überfallen die Gorillas General Grodds das Lager. Diesen letzten Angriff überstehen die Verteidiger nur, weil ihnen S.H.A.D.E.'s Superagent Frankenstein mit einigen Mannen zur Hilfe eilt.

Da absehbar ist, dass ihre Bastion fallen wird, überzeugt Animal Man die Verbliebenen, den Krieg in das Herz des Feindes zu tragen, in die Burg Arcanes inmitten der Stadt Metropolis. Doch nicht nur, dass die Phalanx der Verteidiger der Burg mit einer verwesenden Justice League mit Flash und Wonder Woman oder Superman übermächtig ist, auch Maxine, Buddys kleine Tochter, der neue Avatar des Rots, ist unter den Einfluss der Fäule geraten. Und so fällt ein Held nach dem anderen bis … ja bis das Parlament der Verwesung eingreift.

Der vorliegende Comic hinterlässt inhaltlich einen ambivalenten Eindruck. Einerseits erwarten den Leser gleich mehrere wüste Schlachten in einer düsteren, postapokalyptischen Welt mit gleichsam zombiehaften Superhelden, die jedem Action fixierten Fanboy die Freudentränen in die Äuglein treiben, andererseits ist die Story so dünn, unplausibel, unoriginell und bis zu dem Zeitpunkt vorhersehbar, als das Parlament der Verwesung wie Kai aus der Kiste ploppt, dass langjährige „Animal Man“-Fans, die noch den Morrison-Run miterleben durften, ob der Inhaltslosigkeit zu schluchzen beginnen. Und die Einfallslosigkeit beziehungsweise Einfältigkeit betrifft nicht nur den Haupthandlungsbogen, sondern auch die Rückblenden, in denen dem Leser die lahme und platte Korrumpierung Maxines durch die Fäulnis nahegebracht werden soll, wobei hier erschwerend hinzukommt, dass das Mädchen zu keinem Zeitpunkt wie eine Vierjährige redet, handelt und aussieht.

Während Autor Lemire storyseitig nur mit 08/15-Action-Geballer aufwartet, ist das Artwork – abgesehen von Andrew Belangers „Swamp Thing“ 17, das ebenfalls ein Teil diese Tradepaperbacks ist und sich durch einen angestrengt hölzernen, oft die Proportionen verlierenden Duktus auszeichnet – guter amerikanischer Grim-n-gritty-Mainstream, mit einer dynamischen Seitenaufteilung, detailreichen, visuell tiefen Motiven und dem visuellen Zelebrieren von Gewalt und Zerstörung.

Fazit: Inhaltlich eine dünne, vorhersehbare Action-Schmonzette, die nichts vom alten „Animal Man“-Spirit zum Beispiel der Morrison-Ära transportiert; optisch jedoch ein Hingucker, so dass unterm Strich ein Ausreichend steht.