Laird Barron: Wilde Jagd (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 10. Februar 2026 08:05

Laird Barron
Wilde Jagd
(Swift to Chase, 2014)
Übersetzung: Christian Veit Eschenfelder
Jojo, 2025, Hardcover, 400 Seiten, 34,90 EUR
Rezension von Michael Schmidt
Laird Barron entführt uns mit „Wilde Jagd“ in eine rohe und düstere Welt voller brutaler Gewalt, verstörender Realitätssprünge und kosmischen Grauens. In seinen lose miteinander verbundenen Geschichten rund um die knallharte Antiheldin Jessica Mace über archaische Legenden und Rituale, Serienkiller und Menschenjäger in der eisigen Wildnis Alaskas verwebt Barron eine albtraumhafte Atmosphäre mit Pulp- und Noir-Elementen zu einem surrealen höllischen Universum, aus dem es kein Entkommen gibt. (Verlagstext)
Der Band erschien im englischen Original als „Swift To Chase“ im Jahr 2014. In zwölf Geschichten jagt Laird Barron den Leser durch Alaska und die nördlichen USA. Seine Geschichten sind verstörend und brutal, nicht linear erzählt und man weiß nie, ob der Erzähler zuverlässig ist oder völlig von der Rolle. Jeder Geschichte ist eine Illustration von Ladi Bartok vorangestellt:
Bis auf zwei (oder sogar nur eine?) Ausnahmen hängen die Geschichten miteinander zusammen. Wir lernen nicht nur Jessica Mae und ihre Clique kennen, sondern auch ihre Eltern und hinter alldem steckt ein Experiment von außerirdischen Besuchern oder einfach nur von dem Bösen. Wer weiß das schon genau. Laird Barron spielt mit dem Leser und präsentiert Wahrheiten, die gar keine sind und schon in der nächsten oder übernächsten Geschichte mag das Gegenteil behauptet werden.
Laird Barron spielt das Spiel mit den Realitäten, wie es sonst Philip K. Dick gemacht hat. Doch bei Laird Barron ist die Welt abgrundtief böse und Vergangenheit und Zukunft verschmelzen zu einem brutalen Potpourri. Die Protagonisten sind selbst Täter und Opfer zugleich und wandeln am Rande des Wahnsinns.
Abgerundet wird der Band mit einem Interview mit dem Autor sowie eine Betrachtung von Joe Piccol zu „Wilde Jagd“ und seinen Geschichten.
„Wilde Jagd“ ist kein einfaches Buch und definitiv keines, das einen kaltlässt.