Brandon Sanderson: Cytonic - Unendlich weit von Zuhause (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Samstag, 06. Mai 2023 19:09

Brandon Sanderson
Cytonic - Unendlich weit von Zuhause
(Cytonic, 2021)
Übersetzung: Oliver Plaschka
Knaur, 2023, Paperback, 474 Seiten, 17,99 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Einst dachte die Menschheit, man sei alleine im Universum, breitete sich in der Galaxis aus, besiedelte Planeten, gründete Kolonien. Man traf auf die die Superiority, einer intergalaktischen Allianz, die die aggressiven Menschen zunächst zügeln, als dies nicht gelang, auslöschen will. Als Waffe ihrer Wahl hat die Superiority die Delvers ausgewählt - äonenalte Wesen, die in einem anderen Umfeld existieren, die ohne Zeitempfinden oder direkte Beziehung zum Universum nur eines Suchen: ihre Ruhe. Um dies zu erreichen zögern sie nicht, ganze Sonnensysteme in einem Augenblick zu vernichten.
Spensa Nightshade hat sich zu einer der besten Pilotinnen entwickelt. Als sie Dank ihrer Begabung (Cytonic) Kontakt zu einem Delver aufnimmt, erhält sie von diesem den Rat, den Pfad der Ersten im Nirgendwo zu beschreiten. An der Grenze zwischen dem Universum und dem Nirgendwo schweben Teilstücke der Realität durch die Unendlichkeit. Hier sind sie gestrandet - Menschen, die nicht mehr altern, nichts mehr essen oder trinken, die sich aber, in Banden aufgesplittet, gnadenlos bekämpfen. Es gilt das eigene Ich, seine Erinnerungen zu schützen - das drohende Vergessen zu vermeiden.
Zusammen mit M-Bot und einem Piraten/Helden, der sie rettet, macht sie sich dort auf den Pfad, der sie vielleicht zum Verständnis der Delver und damit zum Frieden führt…
Brandon Sanderson offeriert uns dieses Mal erneut ein munteres, in sich nicht logisches, aber unterhaltsames Abenteuer. Inkludiert hat er Piraten, Saurier (sort of), jede Menge Gefahren, Geheimnisse und Kämpfe. Insoweit ist der Spannungsfaktor wie in den ersten beiden Romanen hoch, wobei sich die Zeichnung seiner Protagonistin doch geändert hat. Man mag es kaum glauben, aber Spensa wird langsam erwachsen - sprich, statt sich ohne nachzudenken in jede nur am Horizont auftauchende Gefahr zu stürzen, denkst sie jetzt vorab ein klein wenig nach, bevor sie losstürzt.
Dass die Mischung ein klein wenig abenteuerlich daherkommt - die im Nichts schwebenden, so ganz unterschiedlichen Lebensräume, die Piraten, die Flora und Fauna dürfte nicht Jedermanns Geschmack treffen - bietet Sanderson aber natürlich faszinierend unterschiedliche Bühnen für seine Handlung. M-Bot lockert mit seinen Sprüchen, seiner „Menschwerdungsversuche“ und dem damit verbundenen Humor die Handlung weiter auf und sorgt dafür, dass das drohende Vergessen Spensa nicht ganz so blüht, wie ihren Leidensgenossen im Nichts.
Die Delver bleibt fremd, unnahbar, unbegreiflich - stehen als Widerpart zu den actionreichen Szenen und dem Klamauk der fühlenden KI. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Serie um Spensa ursprünglich als Jugendbuch-Reihe (Young Adult) geplant war.
Insgesamt gesehen ein munteres, nicht immer logisches, aber durchaus unterhaltsames Abenteuer. Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden sind die Reminiszenzen an Kino-Blockbuster nicht ganz so deutlich ausgefallen wie bisher, wobei die Affinität zu den Windjammer-Piraten sicherlich nicht Jedermanns Geschmack treffen. Unterhaltsam, fesselnd und actionreich ist das Buch aber auf jeden Fall - und mit einem tollen, passend-mysteriösen Cover hat es der Verlag auch ausgestattet.