Dean Koontz: Quicksilver (Buch)

Dean Koontz
Quicksilver
(Quicksilver, 2022)
Übersetzung: Heiner Eden
Festa, 2023, Hardcover, 508 Seiten, 28,99 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Waisenkinder haben kein einfaches Leben. Das gilt auch für den als Baby neben dem Highway ausgesetzten Quinn Quicksilver, der trotz seines Alters nie eine Pflegefamilie fand. Im von Nonnen betriebenen Waisenhaus wuchs er auf, startete dann eine Kleinstadtkarriere als Reporter für ein lokales Magazin.

Dass er wissen wollte, wo her herkam, und sein Genom untersuchen ließ, erwies sich als keine wirklich gute Idee. Die ISA, einer der geheimsten Geheimdienste der USA, greift seine Daten ab, entdeckt in seiner DNA Alien-Bestandteile und bläst zum Halali auf ihn.

Gut ist, dass er schnell Leidensgenossen - sowohl was das Genom, als auch was dessen Untersuchen und Verfolgung durch den ISA betrifft - findet, schlecht, dass neben den Männern in den schwarzen Anzügen auch Monster - Niphilim aus einer anderen Dimension, die nur die mit besonderer DNA ausgestatteten Menschen erkennen können - hinter ihnen her sind…


Was ist das für ein Pageturner, der uns Dean Koontz hier offeriert. Ein spannender Thriller voller auf den ersten Blick stereotyper Figuren, die dann, bei genauerem Hinsehen, ungewohnte und unerwartete Facetten offenbaren.

Koontz spielt gerne mit der Erwartungshaltung seiner Leser. So fährt er auf, was erprobt und beliebt ist - angefangen von UFOs, durchgeknallten, perversen Milliardären, bösen Geheimdiensten und Tentakelmonstern - da bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt.

Was den Roman - zunächst - auszeichnet, ist seine ihm innewohnende Spannung. Der Verfasser nimmt uns scheinbar mühelos und schnell für seinen Erzähler ein. Dessen ein wenig naive Art, sein Mut, mit dem er auf die Fährnisse, die ihm widerfahren reagiert, machen ihn zum sympathischen Protagonisten, dem wir gerne folgen. Die skurrilen Figuren, auf die er während ihrer Reise durch den Südwesten der USA trifft, verleihen dem Roman seine Würze.

Das weckt Erinnerungen an ein Road Movie, insbesondere der letztlich doch recht offen bleibende Schluss fiel mir auf.

Ja, was hat er sich bei diesem Finale, das eigentlich keines ist, nur gedacht? Gegen Ende des Buchs werden die verbleibenden Seiten immer weniger, der große Konflikt, den ich erwartet hatte - also unser Quinn nebst Verbündeten versus die Nephilim und/oder den ISA -, bleibt letztlich aus. Möglich wäre hier eine Fortsetzung, oder aber es bleibt beim ziemlich offenen Ende.

Insgesamt gesehen ein verdammt guter, weil unheimlich spannender Thriller voller unterhaltender Figuren, der die Zeit der Lektüre wie im Flug vergehen lässt.