Roshani Chokshi: Im Reich des Meeresfürsten - Aru gegen die Götter 2 (Buch)

Roshani Chokshi
Im Reich des Meeresfürsten
Aru gegen die Götter 2
(Aru Shah and the Song of Death, 2019)
Übersetzung: Katherina Orgaß
Titelbild: Miriam Wasmus
Ravensburger, 2023, Hardcover, 438 Seiten, 16,99 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Der Pfeil und Bogen des Liebesgottes, dank Hollywood uns besser und falsch als Amor bekannt, wurden entwendet. Die Anderwelt ist in Aufruhr, hat der Dieb, ein Gestaltwandler, sich bei der Tat doch die Gestalt von Aru gegeben. Kein Wunder, dass die Götter bei all ihrem Wissen und Erfahrung, an Aru und Mini, den Nachwuchs-Pandava, zweifeln. Zwar haben beide nach ihrem Ausflug ins Totenreich von ihrem jeweiligen Seelenvater ihre Waffen geschenkt bekommen, doch eigentlich steht für sie jetzt erst einmal Training an.

Die Götter selbst, na gut, die Schlangenkönigin Ulupi, misstraut Aru und sorgt dafür, dass unsere Beiden schon wieder (!) 10 Tage Zeit haben, die gestohlenen Waffen wieder zu besorgen, ansonsten - na, das wollen wir uns mal lieber nicht ausmalen.

Schlimmer kann es nicht mehr kommen? Doch, denn ihr Mitstreiter, der in einer Taube gefangengesetzte Gott, wird eingekerkert, dafür stoßen zwei Mitschüler Arus’ zum Pfeil- und Bogen-Trupp. Die eingebildete gefeierte Kämpferin Brynne und der umwerfend aussehende Aiden - in den Aru ein ganz klein wenig verschossen ist.

Die Spur führt unsere Vier tief unter die Wellen - hier, im Reich des Meeresfürsten, stoßen sie nicht nur auf Hinweise und Hilfe sondern auch auf einen Verräter am Himmelspalast…


Roshani Chokshi hat mit ihrer im Arktis Verlag erschienen „Goldenen Wölfe“-Trilogie auf sich aufmerksam gemacht. Hier war sie in einer phantastischen Vergangenheit auf ganz eigenen Wegen unterwegs, überzeugte durch markante, vielschichtige Figuren und faszinierende Handlungsorte.

Nicht umsonst hat Rick Riordan die Autorin gebeten, die von ihm mit initiierte Jugendbuchreihe um uns unbekannte Religionen und Götter mit ihrem Talent zu bereichern. In ihren Romanen steht die hinduistische Götterwelt, der Glaube und die Sagen, im Mittelpunkt, wobei sie darüberhinaus viel von der Geschichte Indiens, den Überlieferungen aber auch dem Misstrauen, das den Immigranten aus anderen Kulturkreisen in den USA entgegenschlägt, mit einfließen lässt.

Nach wie vor verwöhnen uns die spritzigen, sehr schlagfertigen Dialoge, die die Lektüre zum Genuss machen. Für mannigfaltige Aufregung ist ebenso gesorgt wie für Geheimnisse und es gibt fiese Gegner satt. Irgendjemand im Götter-Pantheon meint es aber auch so etwas von gar nicht gut mit unseren beiden Heldinnen, zumal dann auch noch ein gaaaanz klein wenig Romantik und jede Menge Zicken-Getue dazukommt.

Es ist schon faszinierend, wie es der Autorin scheinbar mühelos gelingt, die alten Sagen um die hinduistische Götterwelt mit modernen Themen und Protagonisten zu verknüpfen. Nichts wirkt hier angestaubt oder langweilig, stattdessen blättern wir voller Spannung die Seiten um.

So zeigt uns auch der zweite Band der mittlerweile auf vier Teilen ausgeweitete Aru-Saga ein munteres, actionreiches Abenteuer mit heranwachsenden Heldinnen, das uns die Überlieferungen eines uns ungewohnten Kultur- und Glaubenskreises vorstellt, dabei typische Probleme von Teenagern inkludiert und ebenso rasant unterhält wie der Auftaktband.