Arcana 18 (Magazin)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 24. Februar 2022 08:55

Arcana 18
Titelbild: Michael Mittelbach
Verlag Lindenstruth, 2013, Heft, 76 Seiten, 4,00 EUR
Rezension von Elmar Huber
Das Herzstück der 18. Ausgabe des „Magazins für klassische und moderne Phantastik“ bildet sicherlich Charles Nodiers Essay „Über phantastische Literatur“ aus dem Jahr 1830, das dank Übersetzer Ulrich Roddewig hier erstmals in einer deutschen Übertragung erscheint. Eine Aufgabe, die sicherlich nicht unbeträchtlich viel Zeit und Fachwissen (Stichwort: Fußnoten) erfordert hat.
Der Franzose Nodier ist heute vorwiegend als „Übersetzer von Goethes Faust, Herausgeber vieler deutscher und englischer Schriftsteller und Unterstützer der romantischen Bewegung“ bekannt, hat jedoch auch selbst eine nicht unbeträchtliche Menge phantastischer Texte verfasst. Für historisch interessierte Phantastik-Leser ist der blumig vorgetragene Streifzug sicherlich eine lohnenswerte Lektüre, und es ist den Herausgebern nicht genug zu danken, solche Texte fast zweihundert Jahre nach ihrem Entstehen dem beflissenen Publikum in einer Übersetzung zugänglich zu machen.
Wie gewohnt finden sich in „Arcana“ 18 auch wieder Kurzgeschichten.
Der Wiener Autor Thomas P. Cavanaugh eröffnet das Magazin mit der modernen Kurzgeschichte „Das letzte Kind“, in der der junge Wolfgang auf der Kindergeburtstags-Poolparty seines Klassenkameraden Peter in einen dysfunktionalen Haushalt gerät, wo Gras und Pillen nahezu ohne Schwierigkeiten für die Lütten verfügbar sind.
Kein Horror im landläufigen Sinne aber auf jeden Fall erschreckend, bemerkenswert gut geschrieben und illustriert von Björn Ian Craig.
Den klassischen Geschichten-Teil bestreiten der „britische Literaturwissenschaftler, Dämonologe und okkultistische Schriftsteller“ (Wikipedia) Montague Summers und der österreichische Autor Hans Ludwig Rosegger.
Summers‘ „Die Aushilfsmagd“ ist eine Geistergeschichte, in der die verwitwete Mrs. Conroy mit ihren Töchtern und Bediensteten ein neues Haus bezieht, in dem sich plötzlich auch ein höchst unansehnliches und möglicherweise sogar schwachsinniges Hausmädchen tummelt, das niemand von ihnen eingestellt hat.
Die Erzählung, die von Michael Siefener ins Deutsche übertragen wurde, liest sich wie ein Tatsachenbericht; Siefener hat zusätzlich ein kurzes Vorwort verfasst.
Roseggers bizarre Kurzerzählung „Dr. Thanatos Mors“ erschien erstmals 1909 in der Zeitschrift „Die Muskete“. In akribischer Kleinarbeit hat der titelgebende Doktor auf teils dubiosen Wegen die sterblichen Überreste seiner Ahnen zusammengetragen, die allesamt Verbrecher respektive Dirnen und gezeichnet von körperlichen und geistigen Gebrechen waren. Der Doktor ist überzeugt davon, dass all diese ‚kranken Keime‘ ebenso auf ihn vererbt wurden und lediglich mit einer gesunden und stabilen Frau die Chance besteht, dass die kommenden Generationen seiner Familie an Geist und Körper gesund wären.
Vervollständigt wird das Magazin von einigen Rezensionen aktueller phantastischer Titel sowie einem Beitrag in der Rubrik „Der Blick durch die Lücke“, in der meist nur noch antiquarisch erhältliche ‚schräge Bücher‘ näher vorgestellt werden; diesmal „Land ohne Zeit“ von Vaughan Wilkins.
Auch mit Band 18 macht „Arcana“ seinem guten Ruf als sachkundig gefülltes Phantastik-Magazin alle Ehre, das sich deutlich der Vergangenheit literarischer Phantastik verpflichtet fühlt, aber auch zeitgemäße Beiträge nicht ausklammert.