S. A. Chakraborty: Die Stadt aus Messing (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Freitag, 22. Oktober 2021 11:37

S. A. Chakraborty
Die Stadt aus Messing
Daevabad 1
(The City of Brass, 2017)
Übersetzung: Kerstin Fricke
Panini, 2021, Paperback, 616 Seiten, 17,50 EUR (auch als eBook erhältlich)
Rezension von Christel Scheja
S. A, Chakraborty lebt mit ihrer Familie in New Jersey und hat mit ihrer „Daevabad“-Trilogie nicht nur Bestseller-Ehren erreicht, sondern war auch für einige renommierte Preise nominiert. Nun erscheint der erste Band „Die Stadt aus Messing“ als einer der Auftaktromane für das neue Buchsegment von Panini.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts steht Ägypten nicht mehr länger unter der Herrschaft der Osmanen, die Franzosen erobern immer mehr Gebiete. Allerdings merken Nahri und andere Bewohner von Kairo noch nicht viel davon. Es ist ohnehin schon schwer genug, seinen Lebensunterhalt zu sichern. Die junge Frau wagt dies mit einer Mischung aus Wahrsagen, Taschenspielertricks und Diebstahl -vermischt mit einer besonderen Gabe, durch die sie zu heilen vermag.
Doch dann wird ihr Leben gründlich durcheinandergewirbelt, denn bei einem Ritual ruft sie versehentlich Dara herbei, einen Dschinnkrieger, der sie, ehe sie sich versieht, in eine magische Welt neben der menschlichen entführt. Und dort, in der Stadt aus Messing, gerät sie schon bald in einen Strudel aus Intrigen um den Herrscherhof, denn sie ist bei weitem kein normales Menschenmädchen.
Der Roman lebt in erster Linie von der detailreichen Schilderung der arabischen Welt - einmal der Wirklichkeit, wie sie im frühen 19. Jahrhundert wohl tatsächlich in Ägypten zu finden war, und die einheimische Bevölkerung in einer Mischung aus Glauben und Aberglauben lebte, der von den herrschenden Osmanen gar nicht gerne gesehen wurde. Auf der anderen Seite bringt der Wechsel in die magische Welt nun auch die schillernden Kulissen von 1001 Nacht mit sich.
Die Autorin arbeitet ihre Kenntnisse über die arabische Welt zwischen dem 10. und 13 Jahrhundert geschickt ein und verbindet sie mit den magischen Wesen der dortigen Mythologie, die sich in eine eigene Welt zurückgezogen haben, in der sie sich aber ähnlich bekriegen wie die Menschen.
Wer sich zumindest rudimentär mit den Märchen und Sagen auskennt, wird das eine oder andere Element wiedererkennen, wie etwa den König namens Suleiman, der die Dschinnen gut im Griff hatte.
Und auch Nahri erfährt mehr über sich und ihre Vergangenheit, was sie eher noch stärker macht, denn sie erkennt mit ihrem Wissen, dass sie auch einen nicht unerheblichen Teil dazu beitragen kann, die Welt sicherer zu machen, die erneut bedroht wird. Zudem bahnt sich auch etwas zwischen ihr und dem jüngeren Prinzen der herrschenden Familie an, auch wenn der König andere Pläne zu haben scheint.
Vieles wird letztendlich nur angedeutet, einiges an Fragen aufgeworfen, so dass die Handlung eher behäbig voranschreitet und erst am Ende wieder etwas rasanter wird, um mit einem Paukenschlag zu enden.
Dafür wird man aber sehr ausführlich in die Welt und ihre Schauplätze eingeführt, die Beschreibungen erwecken das Kopfkino zum Leben und lassen auch die Figuren plastisch erscheinen. Dennoch muss man schon ein Faible für diese farbenprächtigen Geschichten haben, in denen die Action zwar vorhanden aber hintenangestellt ist, um wirklich Spaß zu haben. Immerhin sind nicht alle Wendungen vorhersehbar, auch wenn jede Menge Klischees geboten werden. So bleibt dennoch eine gute Grundspannung erhalten.
Daher wendet sich „Die Stadt aus Messing“, der erste Band der „Daevabad“-Trilogie, gezielt an Fans, die farbenprächtige und detailreiche Geschichten mögen, in denen die Handlung eher langsam voranschreitet und sehr viel Wert auf die kleinen aber feinen Entwicklungen gelegt wird, auch wenn die Action nicht vergessen wird.