Amy Wilson: Ein Mädchen namens Owl (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 21. Oktober 2021 16:22

Amy Wilson
Ein Mädchen namens Owl
(A Girl Called Owl, 2017)
Übersetzung: Sylke Hachmeister
Von Hacht, 2021, Hardcover, 368 Seiten, 18,00 EUR (auch als eBook erhältlich)
Rezension von Christel Scheja
Die britische Autorin Amy Wilson arbeitete erst als Journalistin, ehe sie einen Master-Studiengang in Kreativem Schreiben an der Bath University absolvierte und sich ganz dem Schreiben zu widmen begann. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Bristol
Owl ist ein ganz normales Mädchen, sieht man einmal davon ab, dass sie ihren Vater nicht kennt und von ihrer Mutter allein aufgezogen wird. Dann kommt noch dazu, dass sie Frostmuster auf ihrer Haut entdeckt und Tränen aus Eis weint.
Um Rat fragen kann sie niemanden, denn ihre Mutter wimmelt sie gerne ab, schon wenn sie nach ihrem Vater fragt, und ihre beste Freundin Mallory hat im Moment eigene Probleme.
So stellt sie lieber erst einmal eigene Nachforschungen an, die sie immer mehr in eine Welt eintauchen lassen, die so magisch wie gefährlich ist und neben ihrem Vater letztendlich auch sie bedroht.
Man merkt, dass die Briten eine viel reichhaltigere Tradition an übernatürlichen Wesen haben und die Autoren für ihre phantastischen Geschichten auch gerne einmal danach greifen. So sprüht Amy Wilsons Geschichten von Andeutungen und Hinweisen, entwickelt aber auch sehr schnell eine eigene magische Realität, die sie immer wieder in kleinen Zwischentexten einfließen lässt.
In der eigentlichen Geschichte steht Owl im Mittelpunkt. Sie wird nicht nur langsam immer neugieriger auf ihren Vater, sondern stellt auch fest, dass sie sich auf eine Weise verändert, die zugleich faszinierend und angsteinflößend ist, zumal sie das, was in ihr steckt scheinbar nicht wirklich kontrollieren kann.
Aber das ist der Antrieb für das selbstbewusste und kluge Mädchen, nun selbst herauszufinden, was die Mutter ihr einfach nicht erzählen will - ein Unterfangen, das sie immer mehr in eine ganz ungewöhnliche Welt entführt, die neben der ganz normalen menschlichen existiert. Und der neue Junge in der Klasse scheint auch ein wenig mehr über alles zu wissen, zugleich fühlt sie sich von ihm angezogen.
Magische Kräfte, eine geheimnisvolle Vergangenheit und dazu noch ein Hauch der ersten Liebe, das sind die Zutaten, die die Geschichte für junge Leserinnen und Leser spannend machen. Owl und Mallory sind zudem Mädchen, die das Abenteuer selbst in die Hand nehmen und ihre verborgenen Stärken entdecken, um auch in einer fremden Welt zu bestehen, und die Hoffnung niemals zu verlieren.
Dazu runden auch noch die poetisch erzählten Zwischenkapitel die besondere magische Atmosphäre des Buches ab, die nicht nur für Kinder ab zehn sondern auch erfahrenere Leser spannend sein kann, wenn diese bereit sind, sich auf den Zauber einzulassen. Zugleich weckt die Geschichte auch Lust auf Mehr.
„Ein Mädchen namens Owl“ bietet nicht nur magische Abenteuer eines selbstbewussten Mädchens, sondern interpretiert auch viele mystische Versatzstücke neu, so dass auch ältere Leser durchaus ihren Spaß haben können.