Spider-Man: Ewige Jugend, Stefan Petrucha (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 01. August 2019 22:22

Spider-Man: Ewige Jugend
Stefan Petrucha
(Spider-Man: Forever Young, 2018)
Übersetzung: Timothy Stahl
Panini, 2019, Paperback mit Klappenbroschur, 316 Seiten, 15,00 EUR, ISBN 978-3-8332-3773-7 (auch als eBook erhältlich)
Rezension von Irene Salzmann
College-Student Peter Parker ist aus dem Haus seiner Tante May ausgezogen und teilt sich eine kleine Wohnung mit seinem Freund Harry Osborn. Er ist verliebt in seine Kommilitonin Gwen Stacy, die seine Gefühle erwidert. Allerdings verhindert sein Alter Ego Spider-Man ständig, dass er Familie und Freunde an sich heranlässt. Um sie alle zu schützen, darf niemand von seinem Geheimnis wissen, und die Ausreden, wenn er in kritischen Momenten verschwindet, um kostümiert Leben zu retten, werden immer fadenscheiniger, so dass selbst Gwen an ihm zu zweifeln beginnt. Obendrein ist er trotz seiner gelegentlichen Jobs als Fotograf notorisch pleite, steht wegen vieler Fehlstunden kurz davor, sein Stipendium zu verlieren, und ahnt nicht, dass seine Tante schwer krank ist.
Eigentlich hat Peter bereits mehr als genug Probleme, als er auch noch in die Auseinandersetzung zweier Gangster-Syndikate gerät. Silvio „Silvermane“ Manfredi von der Maggia und Wilson „Kingping“ Fisk, vorgeblicher Geschäftsmann und Anführer einer Mafia ähnlichen Gruppe, rangeln um die Vormachtstellung in der New Yorker Unterwelt. Obwohl Silvermanes Tage gezählt sind, will er dem aufstrebenden Rivalen nicht weichen und sieht aufgrund der Insider-Informationen, die ihm der mysteriöse Schemer anbietet, seine Chance gekommen, den Kingpin zu schwächen.
Der Stein gerät durch den Diebstahl einer wertvollen antiken Steintafel, deren Inschrift bisher niemand hatte entschlüsseln können, ins Rollen. Ursprünglich hatte der Kingpin kein Interesse an dem Artefakt, doch Silvermanes Wunsch, es in seinen Besitz zu bringen, veranlasst den Konkurrenten, aktiv zu werden. Letztendlich behält Silvermane die Oberhand und entführt Dr. Curt „Die Echse“ Connors nebst Familie, damit dieser einen Spezialist für Sprachen unterstützt, denn es geht um nichts Geringeres als die „Ewige Jugend“.
Spider-Man ist bestrebt, die Tafel in Sicherheit zu bringen, die Connors zu befreien und die Gangster in den Knast zu schicken. So gerät er zwischen die Fronten der verfeindeten Schurken, muss der Polizei aus dem Weg gehen, die ihn für einen Verbündeten des Kingpins hält, und sollte Connors die Kontrolle verlieren, wäre die Echse ein weiterer Gegner.
Das ist nur eine kurze Zusammenfassung des ersten von zwei Teilen, in denen das Buch angelegt ist. Das nächste Kapitel spielt zwei Jahre später, und so Manches hat sich geändert. Man darf Bekanntes erwähnen, wie zum Beispiel die Ermordung von Gwen, um die Peter trauert, während MJ Watson als neue Freundin noch kein Thema ist, dass Harry den Tod seines Vaters Norman „Grüner Kobold“ Osborn Spider-Man und indirekt Peter, des Helden Vertrauten und Fotografen, anlastet, und dass Peter von der Erkrankung seiner Tante erfährt, für die er etwas tun soll, was aufgrund des Spinnenbisses unmöglich ist und er nicht erklären kann, ohne seine Geheimidentität preiszugeben.
Der ursprüngliche Konflikt zwischen Silvermane und Kingpin hat eine unerwartete Wende genommen, auf die nicht näher eingegangen werden kann, um die Überraschung zu wahren. Die Gangster-Bosse scheinen dank Spider-Man aus dem Spiel zu sein, doch dann macht er zufällig eine Entdeckung, die eine Ereigniskette in Gang setzt, welche an die früheren Geschehnisse anknüpft.
Erneut ist Spider-Man allein auf weiter Flur. Zudem steht er unter dem Druck, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wobei er abwägen muss, ob er dem persönlichen oder dem allgemeinen Wohl den Vorzug geben soll. Und weil es, wenn es eh schon schlimm ist, immer noch übler kommt, findet er praktisch keinen moralischen Rückhalt bei seinen Freunden, ganz im Gegenteil. Allein Dr. Connors ist ihm eine Stütze, aber bloß so lange, bis die Echse übernimmt.
Die Protagonisten sind in beiden Teilen weitgehend dieselben mit unterschiedlichen Handlungsanteilen. Was begonnen und nur vorläufig beendet wurde, findet eine überraschende Fortsetzung, die diesmal den Titelhelden noch mehr herausfordert durch die Frage, was er tun soll. Er könnte seiner Tante vielleicht das Leben retten und gleichzeitig einem Verbrecher, der dann schon bald wieder Menschen umbringt oder umbringen lässt, deren Blut infolgedessen auch an den Händen Spider-Mans kleben würde. Wie wird er sich entscheiden?
Stefan Petrucha schreibt lebendig und anschaulich. Er verlagert Handlung in die Gegenwart, in der die Protagonisten Internet, Handys und so weiter haben und auf aktuelle Probleme reagieren wie beispielsweise eine studentenfreundliche Finanzpolitik der Universität, Minderheitenrechte, manipulierende Falschmeldungen in den Medien. Das sind zwar nicht die Anliegen des Buchs, doch verleihen sie ihm einen zeitgenössischen Rahmen.
Die Geschichte ist packend, wenngleich sie auch nur wieder einen Peter „Spider-Man“ Parker schildert, wie ihn jeder aus einigen hundert Heften kennt: seine üblichen Sorgen und Konflikte, seine Zerrissenheit und Unfähigkeit, aus der ihn nach unten ziehenden Spirale aus Frust auszubrechen, weil er niemanden in seine Beweggründe einweihen darf.
So gesehen: nichts Neues, aber gut und traditionell erzählt für junge Leute und Fans, die vor allem durch die Filme auf Spider-Man aufmerksam wurden und mehr von ihrem Helden lesen möchten.