Glen Frost: Frostitute - Herz aus Eis (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Mittwoch, 30. Mai 2018 19:12

Glen Frost
Frostitute - Herz aus Eis
(Frostitute, 2016)
Übersetzung: Heiner Eden
Titelbild: Vincent Chong
Festa, 2018, Paperback 186 Seiten, 12,99 EUR (auch als eBook erhältlich)
Rezension von Carsten Kuhr
In Denver sind die Nächte insbesondere im Winter kalt. Doch nicht so kalt wie in Sankt Petersburg, aus dem Anya auf der Suche nach dem gelobten Land in die USA emigrierte. Seitdem Piotr sie hereingeschmuggelt hat, geht sie auf der längsten Straße der USA auf den Strich - und spart jeden Cent, um ihre innig geliebte Tochter eines Tages zu sich zu holen.
Als sie einem übergewichtigen Reverend zu Diensten ist, entgleitet die Situation. Der Gottesmann steht auf Sadomaso, stranguliert seine Opfer gerne und ausdauernd, und bringt Anya fast um. Dass sie ihn in die Eier tritt, rettet ihr das Leben, dass sie danach den herbeigeeilten Zuhälter Piotr beschimpft, verschafft ihr eine Kugel in den Kopf.
Piotr und sein Kumpel Marko verscharren ihre Leiche im Wald - nur, dass Anya vor die Wahl gestellt in den Himmel aufzusteigen oder Rache zu nehmen und dafür mit ihrer Seele zu bezahlen, lieber die Alttestamentarische Vorgehensweise wählt. Als Erster muss ein Trucker, der sie mitnimmt und betatscht leiden - und sterben. Dann ist der Priester dran - der seinen eigenen abgebissenen Pimmel zu schlucken bekommt und elendig krepiert. Nun ist der Weg frei in Richtung Marko und Piotr…
Leser der Festa-Extrem-Reihe suchen und erwarten grenzwertige Beschreibungen. Der plakative, meist gewalttätige und/oder perverse Akt, dazu jede Menge Blut und Qualen, das ist es, was die Reihe dem Fan des Extrem-Horrors offeriert.
Setzt man diesen Anspruch voraus, so präsentiert sich vorliegender Roman fast schon gemäßigt. Sicherlich, es gibt sie, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen „wünschen“ lassenden Beschreibungen der sexuellen Begegnungen der Prostituierten mit ihrem Freier, allein, sie dienen mehr als Kulisse und Motivation denn als Selbstzweck.
Und auch die Rache, die die nun Tote an den Männern verübt, wird zwar deutlich aber nie übertrieben beschrieben. Immer kann der Leser die Handlungen nachvollziehen, kann er verstehen, warum die misshandelte Frau so reagiert, ja sieht ihre Aktionen als gerechtfertigt an. Dies heißt ausdrücklich nicht, dass die Beschreibungen weichgespült wären. Beileibe nicht, nimmt die Frau für die erlittene Pein durchaus angemessen, sprich schmerzhaft Rache.
So bietet sich der Band als lesenswerter harter, aber nicht unbedingt extremer Horror-Roman an, der uns eine Frau zeigt, die gerechtfertigt ihre Peiniger zur Verantwortung zieht; etwas, dem man in MeToo-Zeiten wohl zumindest gedanklich öfter begegnet.