Planet der Affen Archiv 1 (Comic)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Mittwoch, 30. Mai 2018 19:10

Planet der Affen Archiv 1
(Planet of the Apes Magazine - diverse Ausgaben, 1974-1978)
Text: Doug Moench
Idee: Gerry Conway
Titelbild: Malcolm McNeill
Zeichnungen: Mike Ploog, Frank Chiaramonte, Tom Sutton u.a.
Übersetzung: Stephanie Pannen
Cross Cult, 2018, Hardcover, 400 Seiten, 50,00 EUR, ISBN 978-3-959816-37-3
Rezension von Christel Scheja
Was „Star Wars“ ein Jahrzehnt später wurde, war „Planet der Affen“ Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre: ein Franchise, das viele Fans ins Kino lockte, die sich auch über Merchandise und weitere Geschichten freuten. Deshalb rief man nach der Filmreihe und kurz bevor die kurzlebige Fernsehserie startete, auch noch ein Comic-Magazin ins Leben. Die wichtigsten und spannendsten Geschichten daraus präsentiert nun das „Planet der Affen Archiv“.
Unter der Führung des weisen Gesetzgebers leben Menschen und Affen in Frieden zusammen. Einige, so wie den Schimpansen Alexander und den Menschen Jason, verbindet sogar eine Freundschaft von Kindesbeinen an. Doch das ändert sich schlagartig, als der Gesetzesgeber beschließt, auf eine Reise zu gehen. Er überlässt die Verwaltung der Siedlung seinem jüngeren Bruder, der sich allerdings als charakterschwach und unsicher erweist. Das ist die Gelegenheit für den Gorilla Brutus, der nun endlich dem Hass auf die Menschen freien Lauf lassen kann. Seine Horden überfallen nicht nur Alexander, um ihn zurechtzustutzen, sondern auch die von Jason.
Als der mitansehen muss, wie seine Eltern ermordet werden, dreht er durch und will nur noch eines tun - doch das ist der Moment, auf den Brutus nur gewartet hat. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass Freundschaft auch über alle Schranken hinweg weiter bestehen kann und lange nicht alle Affen seinem Gebot folgen. Alexander und Jason gelingt die Flucht - hinaus in eine Welt, die noch viele Überraschungen für sie bereithält!
Und hier erleben die Helden viele spannende Abenteuer mit Mutanten oder Affen-Cyborgs, die von riesigen Gehirnen gesteuert werden. Sie begegnen anderen Gruppen, in denen das Zusammenleben von Mensch und Affe kein Problem ist, wunderlichen Kauzen, die nach der Magie der Vergangenheit suchen und nicht zuletzt auch denen, die sich ihnen anschließen, weil sie mehr in den beiden jungen Männern sehen.
Aber immer wieder ist Brutus zur Stelle, um ihnen das Lebens schwer zu machen, so oft sie ihn auch besiegen mögen…
Die Geschichte ist irgendwann nach dem fünften Film angesiedelt und zeigt daher noch eine Welt, in der die Menschen intelligent sind, auch wenn sie schon in eine niedrigere Zivilisationsstufe zurückfielen, also Jahrtausende vor der Wirklichkeit, die im ersten Film zu sehen ist - was genug Raum bietet, um andere Mutanten und Überlebende des Atomkriegs zu erschaffen, die ihren eigenen Weg gefunden haben, die Jahrhunderte zu überdauern.
Eine 1:1-Neuveröffentlichung sind die Geschichten des Bandes nicht - Cross Cult greift auf die alten Druckfilme des Williams-Verlages zurück und hat die Texte noch einmal neu übersetzt, so dass sie mehr dem heutigen Stil und Geschmack angepasst sind und präsentiert die reine Geschichte, damit man sie in einem weg lesen kann.
Das Abenteuer ist ein Kind seiner Zeit; die Handlung ist noch sehr einfach und geradlinig gestrickt, Gut und Böse entsprechend voneinander getrennt und die Figuren sind auf wenige Eigenschaften reduziert, selbst die Helden. Alexander ist nachdenklich und besonnen, während sich Jason als Heißsporn erweist, der lieber seinen Gefühlen folgt als seinem Verstand. Dennoch ist er der Held, der schon bald eine Frau an seiner Seite findet, die er begehren und anhimmeln - gelegentlich auch retten - darf.
Während die Klischees bei den Figuren noch sehr stark ausgeprägt sind, greifen die Autoren andere Themen wie Rassismus auf, die damals wie heute noch immer brandaktuell sind und sich im Verhalten einiger Affen gegenüber den Menschen widerspiegeln. Aber natürlich mischen sich abgedrehte Ideen mit in die Szenerie, um die Comic-Welt nach und nach von den Filmen abzuheben.
Tiefschürfend wollen die Geschichten nicht sein, einfach nur unterhalten und die Szenerie eines Franchises, das schon fast am Ende war, noch einmal aufpeppen, um die Fans weiterhin bei der Stange zu halten. Daher wird Vieles auch nicht erklärt, sondern einfach nur im Raum stehen gelassen, gerade bei den Gegenspielern der Helden.
Mit diesem Wissen kann man Manches hinnehmen, was heute nicht mehr so üblich ist und dazu noch über die allzu platten Klischees schmunzeln.
Der erste Band von „Das Planet der Affen Archiv“ ein interessanter Blick in die Vergangenheit - mit Abenteuern zu der klassischen Filmreihe, die trotz der moderneren Neuinterpretationen immer noch ihren Reiz hat. Denn die Abenteuer mögen zwar simpel sein, verströmen aber durchaus einen gewissen, nicht zu leugnenden Retro-Charme.