Der Mann, der zu viel sah - Das erschütternde Zeugnis eines Kriegsfotografen (Comic)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 27. Oktober 2026 10:49

Der Mann, der zu viel sah - Das erschütternde Zeugnis eines Kriegsfotografen
(L'Homme qui en a trop vu, 2024)
Text: Simon Rochepeau und Ali Arkady
Zeichnungen: Isaac Wens
Übersetzung: Silvano Loureiro Pinto
Cross Cult, 2026, Hardcover, 144 Seiten, 22,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Es steht außer Zweifel, dass Terror-Regimes wie der „Islamische Staat“ schwere Verbrechen gegen die Menschenrechte begangen haben und eine Spur aus Tod, Zerstörung und Schmerz hinterließen. Natürlich versuchte man ihn aufzuhalten. Aber die Kriegsfotografen erlebten auch noch mehr. Wie auch Ali Arkady, dessen Erlebnisse in „Der Mann, der zu viel sah - Das erschütternde Zeugnis eines Kriegsfotografen“ erzählt wird.
Im Jahr 2016 erhält der irakische Fotograf und Journalist Ali Akardy vom „Spiegel“ den Auftrag, den Beginn der Offensive gegen den „Islamischen Staat“ in und bei Mossul in Fotos und Berichten zu dokumentieren, obwohl oder vielleicht gerade, weil er Kurde ist. Zu diesem Zweck begleitet er die Soldaten der ERD (Emergency Response Division), die er bereits früher bei Falludscha kennengelernt und deren Vertrauen gewonnen hat. Er teilt den Alltag der Soldaten und hört ihnen zu, entdeckt aber auch deren dunkle Seiten.
Dies ist, was ihn letztendlich ernüchtert und den Schlaf raubt. Denn die Grenzen verschwimmen langsam, handeln die Soldaten doch selbst sehr oft ähnlich wie die Männer, die sie bekämpfen. Gewalt und Grausamkeit werden auch bei der ERD zur Normalität. Und das ist wohl genau die Sache, die viele Kriegsberichterstatter, egal ob sie schreiben oder fotografieren, sehen und was sie kaputt macht. Nur wenige haben die Stärke, auch nach dem ersten Auftrag weiterzumachen und sich entsprechenden Ärger einzuhandeln.
Vielleicht ist das auch genau der Grund, ihre Geschichte zu erzählen, wie auch in diesem Fall.
Ali Arkardy lebt heute mit Polizeischutz, hat es sich aber nicht nehmen lassen, seine Geschichte zusammen mit Simeon Rochepeau, einem erfahrenen Szenaristen, zu erzählen. Die Bilder von Isaac Wens sprechen für sich, finden eine gute Balance dabei, die Gewalt zu darzustellen, dass sie auch von Jugendlichen verdaut werden kann.
Das Medium macht es zudem leichter, sich die beklemmende Atmosphäre vorzustellen, die in dunklen erdigen Farben noch mehr an Kraft gewinnt.
Die Geschichte wird so ansprechend vermittelt und lässt einen mit einem flauen Gefühl im Magen zurück, führt sie doch vor Augen, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht nur eine Sache von Terror-Regimes ist, sondern auch immer wieder auch die Kräfte betreffen, die erstere auslöschen sollen. Das sind die dunklen Seiten des Krieges, die man überall auf der Welt miterleben kann, nicht nur im Nahen Osten. Und dadurch wird ein Comic wie dieser zu einer Mahnung und dem Aufruf, Stimmen wie denen von Ali Arkady genau zuzuhören.
„Der Mann, der zu viel sah - Das erschütternde Zeugnis eines Kriegsfotografen“ ist ein Tatsachenbericht in Comicform, der nicht nur entsetzen, sondern auch aufrütteln soll. Vielleicht wird Lesenden jeden Alters auch so bewusster, was auch daran schuld sein kann, warum Konflikte immer wieder aufflammen, nur weil der Hass durch Gewalt und Grausamkeit immer wieder neues Futter erhält.