M. J. Hastings: Firstborn (Buch)

M. J. Hastings
Firstborn
Firstborn 1
(Firstborn, 2026)
Übersetzung: Julia Schwenk
Fischer Sauerländer, 2026, Hardcover, 608 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Eine Welt, die Fantasy und Magie mit faszinierender Technologie und erschreckenden Parallelen zu unserer heutigen Zeit miteinander vermischt ist die Grundlage für „Firstborn“, Band 1 der gleichnamigen Trilogie. Vielleicht mischt M. J. Hastings auch ein wenig Romantik dabei, aber in erster Linie bietet die Geschichte ein knallhartes Abenteuer.


Bryn Ruelle kennt es nicht anders, denn sie ist als Erstgeborene dazu erzogen worden, für ihr Land zu kämpfen und die Befehle nicht infrage zu stellen. Der Tradition zufolge schlägt ihr jüngerer Bruder Asa eine akademische Laufbahn ein. Aber was ist mit Wren, der Jüngsten?

Da genau deren Schicksal in der Schwebe ist und sie auch noch eine kryptische Nachricht zugespielt bekommt, beginnt Bryn an ihrem Weltbild zu zweifeln. Nicht zuletzt, weil sie auch den geheimnisvollen Ash kennenlernt, der in Maske als Landesfeind agiert.


Es kommt einem schon irgendwie bekannt vor, wenn ein Land versucht, die junge Generation eines unterworfenen Landes in eine ganz bestimmte Richtung zu zwingen und entsprechend zu konditionieren. Dafür werden Bryn und ihre Geschwister abseits der Familie erzogen und entsprechend auf Linie gebracht. Allerdings bekommen sie auch sehr viel Gewalt und Häme zu spüren, immerhin gehören sie zu den Besiegten und müssen für die Taten ihrer Eltern und Ahnen büßen.

Das Ganze wird in einem Ton geschildert, der keinen Hehl daraus macht, auf was die Autorin anspielen möchte, kennt man dieses Verhalten doch nicht nur aus einem faschistoiden Regime der Geschichte und auch aus der Gegenwart. Auch kommt der Hintergrund erschreckend modern daher, auch wenn viel Technologie eher auf Magie basiert.

Die Atmosphäre ist düster und beklemmend, wie in einer Dystopie. Wie man sich denken kann, gerät die Heldin auch schon bald in ein Netz aus Lügen und Intrigen und weiß nicht mehr, wem sie eigentlich trauen kann und sollte. Selbst der faszinierende Ash scheint ihr nicht alles zu verraten.

Die Ideen und das Setting fallen schon ein wenig aus dem Rahmen, allerdings versucht die Autorin zu viel unterzubringen, was dazu führt, dass sie nicht nur gelegentlich den Faden verliert, sondern auch bestimmte Dinge viel zu oberflächlich abhandelt, die eigentlich bedeutsam für die Motivation der Heldin und der Rebellen sein sollten.

Die Figuren sind leider auch nicht so gestaltet, dass man wirklich mit ihnen warm werden kann. Die meisten Charaktere bleiben blass, mit dem Rest kann man sich auch nur schwer identifizieren, selbst mit Bryn. So bleibt letztendlich ein zwiespältiger Eindruck, da der Roman eigentlich gute Ideen hat, diese aber nicht wirklich so genutzt werden, wie es möglich gewesen wäre. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen. Immerhin spielen Romantik und Leidenschaft keine große Rolle, was der Geschichte zugutekommt.

„Firstborn“ kann auf der einen Seite durchaus überzeugen, denn das Setting fällt deutlich aus der Masse ähnlicher Geschichte heraus und auch das Setting mitsamt den Figuren hat deutliches Potential. Auf der anderen Seite aber will die Geschichte viel zu viel auf einmal, was einen zerrissenen Eindruck hinterlässt und die Handlung ungelenk wirken lässt. Das mindert leider insgesamt das Lesevergnügen.