Melinda Taub: Stolz, Vorurteil & Hexerei - Die skandalösen Geheimnisse der Lydia Bennet (Buch)

Melinda Taub
Stolz, Vorurteil & Hexerei - Die skandalösen Geheimnisse der Lydia Bennet
(The Scandalous Confessions of Lydia Bennet, Witch, 2023)
Übersetzung: Birgit Marie Pfaffinger
Hobbit Presse, 2026, Hardcover, 496 Seiten, 26,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Im Rahmen der Begeisterung für die Regency-Ära, die vermutlich durch Serien wie „Bridgerton“ ausgelöst wurde, haben auch die Romane von Jane Austen wieder ihre Fans gefunden - und die Autorinnen und Autoren, die sich Rosinen aus den Geschichten herauspicken oder diese ganz neu interpretieren, so wie Melinda Taub in „Stolz, Vorurteil & Hexerei - Die skandalösen Geheimnisse der Lydia Bennet“.

 

Lydia ist die jüngste der Bennet-Schwestern und, weil sie die siebte Tochter einer siebten Tochter ist, auch eine Hexe, wie sich schon in frühester Jugend zeigt, als sie ihre Katze Kitty in ein Mädchen verwandelt und damit die Stärke ihrer Magie beweist. Das aber formt das lebenslustige und eigenwillige Mädchen.

Während ihre Eltern und Schwestern daran arbeiten, trotz ihrer Verarmung, den Status in der guten Gesellschaft zu wahren, lernt Lydia mehr über das Hexendasein und ihre Kräfte, weckt dabei aber auch eine dunkle und uralte Macht, die sie gerne an sich binden und sich ihrer Magie bedienen würde.


Lydia Bennet ist in den Originalromanen tatsächlich die jüngste der Schwestern, ein wenig verwöhnt und auch leichtsinnig. Sie bringt nicht nur sich, sondern auch die Familie durch ihr Verhalten in Schwierigkeiten, weil sie einfach mit einem jungen Mann durchbrennt, was natürlich zu der damaligen Zeit ein Skandal ist.

Hier hat das natürlich auch noch andere Gründe, denn Lydia macht auch noch einige recht fatale Fehler, was ihre Magie angeht, und zieht so noch mehr Ärger auf sich, was leider auch noch andere in Mitleidenschaft zieht. Ihre Familie mag das größtenteils ignorieren, aber es gibt immerhin noch einige Bekannte und Verwandte, die ihr helfen.

Die Autorin spielt mit den Gegebenheiten des Romans und fängt dadurch die damaligen gesellschaftlichen Normen ein, die vor allem die jungen Frauen befolgen mussten. Sie baut dabei aber auch noch jede Menge Magie und mythische Wesen ein, greift auch interessante Themen auf, die andere Adaptionen eher auslassen. Und das ist wohl auch das Besondere an der Geschichte, die vielleicht auf den ersten Blick nicht spektakulär ist und kaum Neues bietet - das Bekannte aber spannend und unterhaltsam variiert und zudem auch noch das Geschehen mit einem gewissen Augenzwinkern betrachtet. Denn eines kann man nicht: Die Geschichte bitterernst nehmen. Allerdings sollte man schon offen für so verspielte Neuinterpretationen bekannter Stoffe sein, gerade wenn sie scheinbar nicht viel ändern.

„Stolz, Vorurteil & Hexerei - Die skandalösen Geheimnisse der Lydia Bennet“ ist eine humorvolle und eigenwillige Neuinterpretation des Klassikers von Jane Austen, gerade weil nicht nur die jüngste der Schwestern im Mittelpunkt steht, sondern diese auch noch etwas sehr Besonderes durch ihre magische Ader ist.