Petra Lord: Queen of Faces - Die Königin der tausend Gesichter (Buch)

Petra Lord
Queen of Faces - Die Königin der tausend Gesichter
Queen of Faces 1
(Queen of Faces, Book One, 2026)
Übersetzung: Bettina Spengler
Karte: Nicolette Caven
Heyne, 2026, Hardcover, 624 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Wie wäre es, quasi unsterblich zu sein, wenn es die Welt einem ermöglicht, von Körper zu Körper zu wechseln, vor allem wenn man reich ist? Die Armen hingegen müssen sich mit dem zufrieden geben, was sie sich gerade noch leisten können. Wie auch Anabelle Gage, die Hauptfigur in „Queen of Faces - Die Königin der tausend Gesichter“.

 

Seit sie denken kann, ist sie von dem Wunsch beseelt, eines Tages die Paragon Academy zu besuchen, die magische Elite-Schule Caimors. Vor allem, seit die ersten Kräfte in ihr erwacht sind. Allerdings fällt sie immer wieder durch die Prüfungen. Und steht unter Zeitdruck, denn ihr jetziger Körper ist nicht mehr der Allerbeste.

Deshalb versucht sie, sich einen neuen zu stehlen, wird dabei allerdings vom Direktor der Akademie erwischt und vor die Wahl gestellt: entweder zu sterben oder für ihn zu arbeiten. Sie soll für ihn die Magierin Khaiove aufspüren, die ganz offensichtlich ein Ziel hat: die magische Elite Caimors zu Fall zu bringen.


Eines muss man der Autorin lassen: Sie erklärt zwar nicht, wie das mit dem Körpertausch vonstattengeht und lässt den Hintergrund selbst eher schwammig, präsentiert aber eine spannende Geschichte, die die bekannten Elemente ein wenig anders als üblich darstellt, gerade in einer Zeit, in der das Thema „Dark Academia“ sehr beliebt ist.

Bemerkenswert ist der lockere Umgang mit geschlechtlicher Identität. Denn die Figuren wechseln munter in unterschiedliche Körper, die Grenzen zwischen „männlich“ und „weiblich“ existieren nicht, trans zu sein ist damit eher normal. Das wird auch nicht sonderlich hervorgehoben. Stattdessen konzentriert sich Petra Lord auf den Überlebenskampf ihrer Heldin, die erst einfach nur ein besseres Leben für sich will und dadurch vom Regen in die Traufe gerät. Aber durch ihre Arbeit als Spionin kann sie sich auch weiterentwickeln, neue Horizonte erschließen und sogar Freunde finden.

Die Handlung bleibt durchweg spannend, wartet mit immer neuen Entwicklungen auf und überrascht mit vielen Details. Zudem ist die Geschichte überraschend brutal und konsequent in einigen Bereichen. Das Ende ist sogar weitestgehend in sich geschlossen, auch wenn natürlich einige Fragen offenbleiben.

Auch Genre-Fans können ihren Spaß haben, denn Beziehungsgeklüngel und vor allem leidenschaftliche Romantik bleiben weitestgehend außen vor. Nur sollten sie nicht allzu ausgeklügeltes Worldbuilding mit epischen Konflikten erwarten.

„Queen of Faces - Die Königin der tausend Gesichter“ ist nicht nur das Debüt von Petra Lord, sondern auch Auftakt zu einer ganzen Reihe. Sie entführt in ein interessantes Szenario mit eigenwilliger Magie und vielen fiesen Intrigen und Entwicklungen, die auch „normale“ Fantasy-Fans in den Bann schlagen, da Romantik mehr oder weniger außen vor bleibt.