Ayla Dade: Her First Hunt - Royal Clair Club 1 (Buch)

Ayla Dade
Her First Hunt
Royal Clair Club 1
Karte: Steffen Meier
Illustrationen: Christin Neumann
Cove, 2026, Hardcover, 720 Seiten, 26,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Es gibt Romane, bei denen sollte man die Altersempfehlung durchaus ernstnehmen, da schon eine gewisse Reife dazu gehört, gewisse Inhalte zu verarbeiten. Dark Romance und auch Dark Romantasy sind Genres, bei denen unvorbereitete Lesende durchaus verstört werden könnten. Das trifft auch auf „Her First Hunt“ zu, dem ersten Band der Dilogie „Royal Clair Club“ aus der Feder von Ayla Dade.

 

Inez ist in einfachen Verhältnissen in dem eher armen Elendsviertel Westcliff aufgewachsen. Deshalb bedeutet das Stipendium am St. Clair College vielleicht den Start in ein neues und besseres Leben, auch wenn viele dunkle Gerüchte umgehen, gehen die heimlichen Herrscher der Schule - die X-Boys - doch angeblich über Leichen.

Kaum in dem Internat angekommen, bekommt Inez natürlich schon zu spüren, was die Reichen und Mächtigen von ihr halten. Vor allem einer hat es auf sie abgesehen: Calix van Schmitt Barklay ist fest entschlossen, sie an ihre Grenzen zu bringen, was Schmerz und Demütigungen angehen. Wenn er doch nicht nur so atemberaubend sexy wäre.


Ayla Dade ist eine bekannte und beliebte Autorin im Bereich der Romance in all ihren Spielarten. Dass sie sich nun auch der Romantasy zuwenden würde, war nur eine Frage der Zeit. Und das merkt man auch sehr deutlich. Denn das Worldbuilding spielt keine Rolle, auch wenn die Geschichte in einem fiktiven Königreich angesiedelt ist, zu dem man früher vermutlich „Operettenstaat“ gesagt hätte. Weder die Außenpolitik noch die Quelle des Reichtums der Oberschicht spielen eine Rolle, nur das mondäne Leben, das sich bis auf das College auswirkt. Zudem spielt das Ganze trotz der altertümlichen Strukturen zumindest technisch in der Gegenwart, wenn schon eine Apple Watch erwähnt wird.

Zwar gibt es auch einen Hauch Magie, man merkt recht schnell, dass die herrschende Schicht nicht ganz menschlich ist, aber das spielt so gut wie keine Rolle und vertieft nur die Kluft zwischen Sterblichen wie Inez und Angehörigen der Königsfamilie wie Calix.

Die Autorin zelebriert regelrecht den Weg der jungen Heldin durch die Schlangengrube, denn die anderen junge Leute, die mehr oder weniger der Oberschicht entstammen, lassen nichts aus, um sie zu demütigen. Und natürlich wird Calix besonders hervorgehoben, erweist sich als Bad Boy, wie er im Buche steht.

Spannung entsteht dadurch, dass nach und nach Geheimnisse enthüllt werden, die beide umgeben, denn sowohl Calix als auch Inez haben etwas zu verbergen, nicht zuletzt scheinen einige dieser Mysterien zwei Generationen in die Vergangenheit zurückzureichen.

So kommt wenigstens ein wenig Spannung auf, denn ansonsten konzentriert sich Ayla Dade in erster Linie auf die beiden Hauptfiguren, die sich in einer Mischung aus sexueller Anziehung und Abscheu umkreisen. Dabei bedient sie die Erwartungen der Zielgruppe, auch wenn viele Handlungsmuster bereits fest verankertes Klischee sind. Daher muss auch jeder Leser selbst wissen, wieviel davon persönlich zu ertragen ist.

Aber immerhin verleiht die Autorin dem Bekannten auch einen gewissen Reiz, garniert das Geschehen noch mit recht derber Sprache und einer Klatschpresse, die dem Ganzen noch mehr Biss verleiht.

Wie so oft in Zweiteilern endet die Handlung mit einem fiesen Cliffhanger, der natürlich jede Menge Fragen aufwirft und nun vermutlich wichtige Entscheidungen von den Hauptfiguren fordern wird.

„Her First Hunt“, der erste Band von „Royal Clair Club“, ist damit vor allem Dark Romance mit ein paar phantastischen Einflüssen und weniger ein Fantasy-Abenteuer. Lesende sollten sich bewusst sein, dass sie vor allem leidenschaftliche und derbe Anspielungen und intime Handlungen erwarten, wie man sie in dem derzeit so beliebten Liebesroman-Genre nur zur Genüge kennt.