Adi Denner: Kiss of the Nightingale (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 01. April 2025 12:56

Adi Denner
Kiss of the Nightingale
(The Kiss of the Nightingale, 2024)
Übersetzung: Ulrike Köbele
Fischer Sauerländer, 2025, Hardcover, 496 Seiten, 19,90 EUR
Rezension von Christel Scheja
Adi Denner entdeckte schon früh die Kunst für sich und ist ausgebildete Opernsängerin. Daher lag es auch nahe, dass sie „Kiss of the Nightingale“ in einer Welt ansiedelt, die sie nur allzu gut kennt und dazu noch eine schillernde Epoche dafür auswählt, die besonders passend erscheint.
Cleodora und ihre Schwester haben durch den Tod des Vaters bereits viel verloren, und nun droht ihnen auch noch der vollkommene Absturz. Deshalb greift die junge Frau zu einer verzweifelten Tat. Doch sie wird erwischt. Die Frau, die sie eigentlich bestehlen wollte, macht ihr dennoch ein verlockendes Angebot.
Sie verleiht Cleodora die Möglichkeit, viel Geld zu verdienen, verlangt aber, dass sie einen Vicomte um seinen besonderen Schatz bringt. So taucht die junge Frau in die Welt der Oper ein und versucht ihr Bestes, merkt aber schon bald, dass sie nur ein Spielball in den Händen der gefährlichen Dahlia Sybille ist - und ihre Aufgabe ist verwerflicher als gedacht.
Die Geschichte ist klassisch und vielleicht dem einen oder anderen Leser schon aus Historischen Romanen bekannt. Denn wie oft wurden dort junge Männer oder Frauen unter falscher Identität in Adelskreise eingeschleust, um Informationen oder auch bestimmte Gegenstände zu beschaffen.
Genau mit diesen Mittel spielt die Autorin, die dafür ein Setting wählt, das sehr an die Belle Époque in Frankreich angelehnt ist, spielen doch Kunst und Musik eine sehr große Rolle, ist die Welt der Oper ein wichtiger Treffpunkt für die Reichen und Schönen. Sie übernimmt allerdings nicht alles, was die Zeit um die Jahrhundertwende ausmachte, sondern nur das, was ihr passt, und bleibt ansonsten eher schwammig, was den Hintergrund angeht.
Allein die Möglichkeit durch Juwelen bestimmte Talente zu erlangen wie etwa Cleodora, die dadurch eine wahre Sängerin wird, gibt dem Ganzen einen phantastischen Anstrich. Im Mittelpunkt stehen eher die Intrigen, die die geheimnisvolle Dahlia spinnt, um ihre Macht zu vergrößern. Und das gesellschaftliche Miteinander rund um Cleodora, das davon geprägt wird.
Zwar spielen auch romantische Gefühle eine Rolle, die sind aber eher ein Teil der Dynamik, die die Geschichte vorantreibt, und werden nicht in den Vordergrund gestellt. Aber gerade durch das entstehende Dreiecksverhältnis wächst auch die Heldin und merkt nach und nach, wo ihre wahren Talente liegen, zudem baut sie sich auch einen erstaunlichen Freundeskreis auf.
Das Buch ist tatsächlich in sich geschlossen, auch wenn natürlich ein paar Fragen offenbleiben. Es bleibt in der Darstellung von intimen Szenen und Gewalt doch recht jugendfrei.
„Kiss of the Nightingale“ ist ein unterhaltsamer und kurzweiliger Roman, der sich mehr wie ein Historien-Schinken als Romantasy liest, aber immerhin durch eine spannende Handlung punkten kann, die mehr auf Intrigen, Freundschaft und charakterliche Entwicklung der Helden als auf eine an den Haaren herbeigezogene Liebesgeschichte setzt