7 Detektive 1: Miss Crumble - Das gestiefelte Monster (Comic)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 01. April 2025 09:34

7 Detektive 1
Miss Crumble - Das gestiefelte Monster
(Détectives 1: Miss Crumble - Le Monstre botté, 2014)
Text: Herik Hanna
Titelbild und Zeichnungen: Sylvain Guinebaud
Übersetzung: Harald Sachse
Splitter, 2020, Hardcover, 64 Seiten, 16,00 EUR
Rezension von Elmar Huber
August 1918, Sweet Cove, England: Die Nachricht, dass der gefallen geglaubte Graf John Crackersmith zurück ist, verbreitet sich in dem kleinen Dorf wie ein Lauffeuer; die Nachricht seines Todes beruhte auf einer Verwechslung auf dem Schlachtfeld. Sofort vermutet Adelaide Crumble, die ehemalige Lehrerin des Ortes und passionieret Detektivin, dass die Rückkehr des Grafen nicht jedem im Dorf schmecken wird.
Seine Gattin hat sich in den vergangenen Jahren - dank diversen Alkoholika und ihres muskulösen Gärtners - mit der Abwesenheit ihres Mannes abgefunden. Auch der Geschäftsmann Terrence Spencer, der schon einem Käufer für die gräfliche Anwesen an der Hand hat, sieht seine Felle davonschwimmen.
Einige Tage darauf beginnt eine rätselhafte Verbrechensserie in Sweet Cove: Die junge Lehrerin Elizabeth Pumcake wird von einem Unbekannten überfallen und verletzt. Aufgrund der matschigen Stiefelspuren am Tatort wird der Gärtner des Grafen verhaftet, muss aber ohne Beweise wieder freigelassen werden.
Wieder einige Tage später wird Lieutenant Harlow, der Adjutant des Grafen, das erste Todesopfer des „gestiefelten Monsters“. Auf seiner eigenen Feier stürzt Graf Crackersmith selbst von einem Balkon zu Tode; wieder finden sich am Tatort die bekannten Stiefelspuren.
Eine weitere Überraschung hält die Testamentseröffnung des Grafen bereit. Für viele nur noch mehr Rätsel, doch für Adelaide Crumble beginnt sich langsam, ein Motiv für die Verbrechen abzuzeichnen.
Auch wenn der erste Band der Reihe „7 Detektive“ in Richtung der ausgeklügelten Krimis von Agatha Christie schielt, sollte man bei Adelaide Crumble keinen Miss-Marple-Klon erwarten - was schon an ihrem beachtlich zur Schau gestellten Dekolleté erkennbar sein sollte. Die resolute ehemalige Lehrerin nimm kein Blatt vor dem Mund, sagt ihre Meinung auch denjenigen ins Gesicht, die dabei nicht gut wegkommen, und nimmt zur Verdeutlichung ihres Standpunkts auch gern die Schrotflinte zur Hand. Dazu ist sie eine aufmerksame Beobachterin, die - so erfährt man im Lauf der Handlung - dem offiziellen Gesetzeshüter, Officer Elliot Pym, bereits mehr als einmal bei Ermittlungen behilflich war.
Obschon der Fall und die mit der Aufklärung einhergehenden Deduktionsschritte etwas holprig zusammengefügt sind, kann dieser erste Band der „7 Detektive“ den Krimi-Fan vollauf überzeugen. Allein, dass mit Miss Crumble eine vollständig neue Figur erfunden wurde, die man wegen ihrer brüskierenden Spitzzüngigkeit einfach lieben muss, macht das Album zum Vergnügen. Darüberhinaus versteht es Autor Henrik Hanna, mit wenigen Szenen und Dialogen das Dorfleben und die Charaktere eingehend zu zeichnen und in einem zweiten Schritt, den Leser zum Miträtseln einzuladen.
Wie auch oft bei Agatha Christie ist das Motiv für die Ereignisse in der Vergangenheit einer der Figuren zu suchen. Die letztendliche Aufklärung aller Fragen hält also einige Überraschungen bereit und mündet in ein Duell-artiges Finale, das die Spannung nochmals deutlich anziehen lässt.
Die grafische Umsetzung von Sylvain Guinebaud („Die Legende der Drachenritter“) ist ebenfalls mehr als gelungen. Die leichte Überzeichnung von Gestik und Mimik der Figuren lässt die Darstellung ins komödienhafte tendieren, was der Spannung und dem Rätsel-Aspekt aber keinen Abbruch tut.
Wem bereits „Schwarze Seerosen“ von Fred Duval (nach einem Roman von Michel Bussi) gefallen hat, der wird auch von „Miss Crumble - Das gestiefelte Monster“ nicht enttäuscht.
Gelungener Auftakt der Konzeptreihe „7 Detektive“. Orientiert an Agatha Christie, doch mit eigener Handschrift und einigen originellen Noten versehen.