Carol Stroke: Die Prinzessin und der verruchte Assassine - Verbotene Lust (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 01. April 2025 09:31

Carol Stroke
Die Prinzessin und der verruchte Assassine - Verbotene Lust
Blue Panther Books, 2024, Taschenbuch, 170 Seiten, 12,90 EUR
Rezension von Irene Salzmann
Derzeit liegen acht Bücher von der Autorin mit dem Pseudonym Carol Stroke bei Blue Panther Books vor. Nicht alle sind ausschließlich zeitgenössischen erotischen Momenten gewidmet. Tatsächlich hat die Verfasserin viel Spaß daran, andere Genres hineinzumixen, wie im Fall von „Die Prinzessin und der verruchte Assassine“. Dieser Roman führt die Leserschaft in Fantasy-Reiche und Situationen, die „Verbotene Lust“ aufkommen lassen.
Das Setting “Mythenwelt“ zu nennen, mag wenig phantasievoll erscheinen, definiert jedoch schon auf den ersten Blick die Reiche und Spezies, welche die beiden Hauptfiguren auf ihrer Queste besuchen. Carol Stroke greift auf die typischen Wesen zurück, die man aus klassischen Sagen, Fantasy, Mystery und Horror kennt: Hexen, Werwölfe, Sukkuben, Gestaltwandler, Vampire, Dunkelelfen, Furien, Wendigos… Eigene Kreationen sind leider Fehlanzeige, sodass man ihre Völker automatisch mit allem vergleicht, was man unter dem jeweiligen Stichwort bereits gelesen hat, und das ist nicht wenig. Etwas Eigenes hätte Akzente gesetzt - Chance vertan.
Dennoch darf man anmerken, dass die römischen Furien (griechisch: Erinnyen, seltener: Megären/Synonym für tobende Frauen, beschönigt: Eumeniden) bislang eher selten bis gar nicht (?) in der Romantasy aufgetaucht sind. Man darf vermuten, dass Carol Stroke bemüht war, mit Vertrautem die Erwartungshaltung zu befriedigen und mit weniger Abgenutztem ein bekanntes Thema zu variieren.
Durch ihre Eigenschaften als Furie und eine sorgfältige Ausbildung erhält die Protagonistin Alia, aus deren Perspektive die Geschehnisse geschildert werden, alle Fähigkeiten, die sie benötigt, um sowohl ihrem Status als Thronfolgerin gerecht zu werden, als auch intelligent und wehrhaft eine gefährliche Aufgabe zu erfüllen, die dadurch erschwert wird, dass sie einen Rivalen, Ethan, an die Seite gestellt bekommt, der als Assassine seine wahren Absichten zu verschleiern weiß, ihr erotisches Verlangen heftig anspricht, mal ihr Retter ist, sie dann wieder enttäuscht und ohne Erklärung im Stich lässt. Seine Motive bleiben bis zum Schluss im Dunkeln, und dann fällt die Maske des Verräters.
Das „Ritual der Erneuerung“ zwingt Königin Shayna, sich regelmäßig Jadonasch, dem Herrscher der Dunkelelfen, hinzugeben, um symbolisch das Band zu festigen, das sie zu Verbündeten macht. Alia, die eines Tages den Thron ihrer Mutter besteigen soll, ist angewidert von der Zeremonie und von Jadonasch, der keinen Hehl daraus macht, dass er sie ebenfalls besitzen will. Sollte es Alia jedoch gelingen, in der Mythenwelt für die Furien mehr Verbündete zu finden als Ethan, Jadonaschs Streiter, könnte sie diesem Schicksal entrinnen und das Ritual verändern.
Eine Karte nebst magischem Kleinod öffnet den Gegnern Tore in jene Reiche, die umworben werden. Die jeweiligen Herrscher entscheiden nach einer Prüfung, wen sie als Verbündeten bevorzugen, indem sie diesem Gesandten eine Münze überreichen.
Allerdings ist der Wettstreit nicht die einzige Herausforderung, die Alia zu ihren Gunsten entscheiden muss. Ein Wendigo, ein Menschenfleisch fressendes Monster, dem schon ihr Vater zum Opfer fiel, nimmt ihre Witterung auf und folgt ihr unaufhaltsam von einem Reich in das andere.
Als wäre das nicht schon genug, sieht sich Alia schnell im Nachteil, da Ethan ihre Gedanken sowie erotischen Wünsche lesen kann und nebenbei großen Eindruck auf die weiblichen Herrscher macht, was wider Willen ihre Eifersucht weckt und sie Fehler begehen lässt. Dementsprechend entwickelt sich zwischen beiden ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das in ihnen ungeahnte Kräfte entfesselt und zur Aufdeckung von ungeahnten Geheimnissen führt, aufgrund derer sich Manches vereinfacht und gleichzeitig kompliziert.
Durch die Queste werden vordergründig fünf Völker abgehakt und Bündnisse aufgebaut. Auf zweiter Ebene entwickelt sich das Verhältnis von Alia und Ethan von einer Zweckgemeinschaft weiter zu einer emotionalen, romantischen Beziehung - aber spielen sie mit offenen Karten, wo doch so viel auf dem Spiel steht?
Der Leser kennt lediglich Alias Seite. Ethan wirkt zwar aufrichtig, im entscheidenden Moment macht er jedoch unerwartet einen Rückzieher. Das trifft die Furie hart, denn das Schicksal hat sie einander als Partner zugedacht. Allerdings kann die stolze Prinzessin nur einem Mann vertrauen und ihn erwählen, dessen Treue ihr und ihrem Reich gilt und nicht einem anderen, in diesem Fall Jadonasch.
Die Puzzlestücke fallen schließlich an die richtigen Plätze - zu Gunsten von Alia und ihrem Volk oder für Jadonasch und seine Helfer?
Die spannende Geschichte ist in Einzelabenteuer gegliedert, die natürlich reichlich mit erotischen Momenten gespickt sind, welche nicht zu deftig ausfallen, weder in den Beschreibungen noch durch die Wortwahl. Die persönliche Beziehung, die Liebe zweier Menschen (und anderer Paare), die zusammengehören, steht im Mittelpunkt. Das ist eine schöne Message und angenehme Abwechslung zu den immer gleichen Bumsbumsbums-Geschichten, in denen jeder mit jedem die wildesten Praktiken ausprobiert für maximalen Lust- oder Frustgewinn ohne jegliche Gefühle und dem Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft, frei nach „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.“ (Sponti-Spruch aus den 1970ern).
Das heißt, wer eine richtige Handlung, am besten noch Phantastik beziehungsweise Romantasy schätzt und mehr als eine ‚versaute Betten-Wälzerei‘ wünscht, wird von „Die Prinzessin und der verruchte Assassine - Verbotene Lust“ bestens unterhalten. Die Charaktere erfüllen ihre Rollen, angefangen beim skrupellosen Widerling über dubiose und aufrichtige Freunde bis hin zu untrennbaren Liebenden. Selbst den bekannten Figuren verleiht die Autorin einige weniger verbrauchte Facetten. Freilich dient die Queste auch dazu, den Konflikt nicht zu schnell aufzulösen und dem Anspruch von Blue Panther Books, dem Publikum einen erotischen Roman zu offerieren, gerecht zu werden - und das ist, was die Leserschaft wünscht. Carol Strokes flüssiger Stil nimmt sie mit in die „Mythenwelt“ und in eines der Bücher aus dem oberen Fünftel des Verlags.