Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen (Comic)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Mittwoch, 26. Juni 2024 19:38

Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen
Text: Claudia Kühn
Zeichnungen: Tara Spruit
Loewe, 2024, Hardcover, 256 Seiten, 24,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Vor über zweihundert Jahren verfasste Jane Austen Romane, die zu literarischen Klassikern werden sollten, weil sie das ganze Lebensgefühl einer Epoche wiedergaben. Und gerade jetzt, wo die „Regency“-Zeit in Filmen und Romanen wieder zum Leben erweckt wird, erscheinen auch viele Nacherzählungen und Adaptionen so wie der hier vorliegende Comic: „Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen“.
Auch wenn die Bennets zur gehobenen Gesellschaft gehören, so sind sie doch nicht gerade vermögend. So ist es die größte Sorge der Mutter, ihre vier Töchter dennoch gut unter die Haube zu bringen und durch einen reichen Mann versorgt zu wissen. So setzt sie große Hoffnungen in den neuen Nachbarn Mr. Bingley.
Anders als ihre Schwestern ist Elizabeth Bennet nicht darauf erpicht, einen Mann mit Geld zu heiraten. Und schon gar nicht einen so arroganten Schnösel wie den attraktiven und vermögenden Mr. Darcy, den sie auf einem gesellschaftlichen Treffen kennenlernt. Oder hat er doch noch Qualitäten, die sie zu schätzen weiß?
Der Erfolg von Jane Austens Romanen erklärt sich wohl durch die Tatsache, dass sie die Zeit, in der sie selbst lebte, aus einer einzigartigen Sicht wiedergab und dadurch auch endlich vielen Frauen eine Stimme. Obwohl sie die gesellschaftlichen Konventionen nicht durchbricht, so zeigt sie doch die Gefühle und Gedanken der jungen Damen, für die auch noch etwas anderes wichtig ist, als gut versorgt zu sein, was sie aber in der Realität selten bekamen: die Liebe.
Anders als viele Autorinnen heute erzählt Claudia Kühn die Geschichte nicht nach oder verwendet Motive daraus für ein eigenständiges Werk, sie versucht stattdessen, die klassische Geschichte zusammen mit Tara Spruit in einer neuen Darstellungsform wiederzugeben, nämlich als liebevoll gestaltete Graphic Novel.
Man merkt, dass die Künstlerin gut recherchiert hat, sich aber auch an die Bilder hält, die zahlreiche britische Jane-Austen-Verfilmungen hinterlassen haben. Kleidung und Ausstattung wirken ansprechend, auch die Farbgebung fängt das zarte Thema gelungen ein.
Allerdings sollte man keine actionreichen oder dynamischen Momente erwarten, die Zeichnungen wirken eher statisch, die Figuren oft steif. Immerhin gelingt es Tata Spruit, die Mimik weit besser einzufangen.
Alles in allem muss der echte Jane-Austen-Fan doch einige Abstriche machen, können die Zeichnungen doch nicht die atmosphärische Dichte und die intensiven Gefühle der Vorlage einfangen, selbst wenn die Kürzungen eher zurückhaltend zu sein scheinen. Alles in allem ist die Graphic Novel ein netter Versuch, den Roman umzusetzen, bleibt aber auch ein wenig auf Distanz, gerade wenn man die Klassiker schon gelesen hat.
„Stolz und Vorurteil - Die Graphic Novel nach Jane Austen“ kann natürlich nicht das Original in seiner Stimmung und Dichte wiedergeben, vermag aber gerade jungen Leser durch die auf überschaubare Momente reduzierte Handlung und modern wirkende Darstellung den Einstieg in die Welt der Klassiker dieser Autorin einfach zu machen.