Darkness 3 (Comic)

Phil Hester
Königsmord
Darkness 3
(Darkness 76 – 81, 2009)
Aus dem Amerikanischen von Claudia Fliege
Titelillustration von Whilce Portacio
Zeichnungen von Michael Broussard, Nelson Blake II, Jorge Lucas, Phil Hester u. a.
Panini, 2010, Paperback mit Klappenbroschur, 132 Seiten, 16,95 EUR

Von Irene Salzmann

Seitdem Jackie Estacado fast gestorben wäre, hat er die Kontrolle über die Darkness-Kraft verloren. Vom Souverän erfährt er den Grund dafür: Jackies Seele hat seinen Körper verlassen und schmort im Fegefeuer. Nur wenn er sie zurück bekommt, erlangt er wieder Macht über die Darkness. Notgedrungen geht Jackie auf den Handel ein, der ihm vorgeschlagen wird, und erledigt im Auftrag des Souveräns Kriminelle.

Allerdings setzen diese Jobs sogar einem hartgesonnenen Mafia-Killer wie Jackie zu, denn eines seiner Opfer ist ein Zehnjähriger! Der Souverän gewährt Jackie eine Auszeit, während der er den Verlockungen einer schönen Frau erliegt, die ihn zu einem rachsüchtigen Dschinn führt. Die Warnungen eines alten Mannes schlägt er in den Wind, doch dieser hat noch Einiges mehr zu erzählen: Angeblich hat Jackie seine Seele gar nicht verloren. Dass er die Darkness nicht länger beherrscht, läge allein daran, dass er sie ablehnt. Der Souverän spiele dieses böse Spiel mit allen Trägern der Darkness, derer er habhaft werden kann.

Und der Alte hat Recht! Nun wieder im Vollbesitz seiner Kraft sagt Jackie dem Souverän den Kampf an. Er baut eine Organisation auf, die allein dazu dient, alle Statuen, die dem Feind als Gefäß für seinen Geist dienen können, aufzuspüren und zu zerstören...

Nur wenige Episoden musste Anti-Held Jackie Estacado auf die Darkness-Kraft verzichten und für den mysteriösen und grausamen Souverän arbeiten. Die Jobs waren teilweise noch splattriger als alles, was man bis dahin gewohnt war. Dankenswerterweise ersparten Autor und Zeichner dem Leser eine ausführliche Inszenierung, in der Jackie ein kriminelles Kind tötet. Stattdessen wenden sich die Künstler wieder Themen und Gegnern zu, die weniger heikel, aber nichtsdestotrotz interessant sind, sich sogar spannender lesen. Es gibt einfach eine Grenze, die man nicht überschreiten sollte, beispielsweise wenn Kinder im Spiel sind oder die Religion Gefahr läuft, verunglimpft zu werden. Zwar werden zartbesaitete Gemüter kaum zu einem Comic wie „Darkness“ oder „The Boys“ greifen, aber auch dieses Publikum hat Hemmschwellen. Jackie erfährt endlich Näheres über sein Problem und den Souverän, der ihn hereingelegt hat. Um sich zu revanchieren und den Feind unschädlich zu machen, entwickelt er einen konkreten Plan, den er mit neuen Helfern sogleich umzusetzen beginnt. Dabei zeigt sich, dass er die Darkness immer besser einzusetzen lernt.

Das Paperback markiert einen neuen Abschnitt in Jackies Leben: Er schüttelt das Joch des Souveräns ab, seine Macht kehrt zurück, er baut eine Organisation auf, die seinen Zwecken dient – und damit beginnt eine neue, packende Storyline, die von der Suche nach den Statuen, in die der Geist des Gegners schlüpfen kann, beherrscht wird. Dabei begegnet Jackie einem Wesen, das an Swamp Thing erinnert – kein Wunder, schließlich arbeitete Autor und Zeichner Phil Hester lange an dieser Serie.

Die Illustrationen sind durchwachsen, da praktisch jede Episode von einem anderen Zeichner umgesetzt wurde. Was gefällt, ist Geschmackssache. Leider wirkt der Band dadurch alles andere als homogen, da die stilistischen Unterschiede sehr auffällig sind. Am gefälligsten sind die Illustrationen von Michael Broussard, da sie dem Stil am nächsten kommen, der die Serie in ihrer Anfangszeit prägte und zu einem Top-Seller machte.

Alles in allem bietet „Darkness“ 3 spannende Unterhaltung, unterlegt von qualitativ sehr unterschiedlichen Zeichnungen. Selbst wenn man neu zu der Serie stößt, hat man keinerlei Probleme, der Geschichte zu folgen, da sich das Wesentliche von selbst erklärt. Da eine durchgehende Story erzählt wird, findet man leicht in die Handlung hinein und hofft am Ende des Bandes, dass die Fortsetzung nicht allzu lange auf sich warten lässt – und dann auch wieder ein Künstler die grafische Umsetzung übernimmt, der Jackie, die Darklings und alle anderen so darzustellen weiß, wie man es gewohnt ist und schätzt.