Christoph Elbern: Tödlicher Schlaf (Buch)

Christoph Elbern
Tödlicher Schlaf
Carl-Jakob Melcher ermittelt 2
Rütten & Loening, 2023, Paperback, 360 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Nach „Hafenmörder“ setzt Christoph Elbern nun seine Serie „Carl-Jakob Melcher ermittelt“ in „Tödlicher Schlaf“ fort. Auch diese historische Kriminalgeschichte ist noch in der ersten Dekade des 20. Jahrhundert angesiedelt und führt zurück in ein Hamburg, in dem die Uhren noch ganz anders liefen als heute.


Drei Jahre sind vergangen, seit Carl-Jakob Melcher seinem Jugendfreund Martin Bücher dabei half, eine Mordserie unter wohlhabenden Männern aufzuklären und dabei düstere Geheimnisse in seiner eigenen Familie aufdeckte. Im Jahr 1907 arbeitet er immer noch als Bakteriologe im Hamburger Tropeninstitut. Daher wird er eines Tages auch ins Hafenkrankenhaus geschickt, um Proben eines Kranken zu holen, der an der Schlafkrankheit leidet.

Dabei handelt es sich um seinen und Martins ehemaligen Schulfreund Ludolf Harberg, der als Militärarzt Karriere gemacht hat und ihm nun auch von seinen Erlebnissen in Ostafrika erzählt. Die Andeutungen klingen düster, aber bevor er genauer werden kann, stirbt Harberg überraschend. Für Carl-Jakob ist schnell klar: Das war kein natürlicher Tod. Und er soll recht behalten, was auch ihn in tödliche Gefahr bringt.


Mit einem Zeitsprung und einem dramatischen Prolog beginnt der zweite Roman um den Bakteriologen, der immer mehr zum Forensiker mutiert und seine Nase in Dinge steckt, die sehr schnell die falschen Leute auf sich aufmerksam machen. Aber es hat sich auch für ihn Einiges geändert. Er lebt immer noch bei seiner Tante Isolde hat aber in der Frauenärztin Marion jemanden gefunden, den er gerne an seiner Seite wüsste und die ihm eine Zukunftsperspektive gibt.

Wie schon einmal kreuzen viele selbstbewusste Frauen seinen Weg - mit der Frauenrechtlerin Emma kehrt eine Figur aus dem ersten Band zurück. Und auch Marion ist niemand, den man unterschätzen sollte. Allerdings verdreht auch die eigenwillige Agatha Carl-Jacob den Kopf. Aber das bremst den Fall nicht aus, denn die einzelnen Handlungsebenen sind alle irgendwie miteinander verbunden und ergeben nach und nach ein spannendes Bild. Denn auch wenn die Entwicklungen, die zum Mord führen, fiktiv sein mögen, die Hintergründe sind es nicht. Denn sie erinnern an das Verhalten der Deutschen in den afrikanischen Kolonien, die dort begangenen Greueltaten und Verbrechen an der einheimischen Bevölkerung, angefangen mit Ausbeutung bis hin zu der brutalen Niederschlagung von Aufständen. Gleichzeitig erfährt man auch Einiges über den damaligen Zustand in den Gefängnissen und nicht zuletzt auch den Umgang anderer Polizisten mit Verdächtigen.


Es fehlt also nicht an spannenden Momenten und Einblicken, die die Geschichte lebendig und glaubwürdig machen, gleichzeitig werden auch historische Fakten, die die wenigsten Menschen auf dem Schirm haben, ansprechend und aufwühlend präsentiert.

Am Ende gönnt man den Figuren tatsächlich die positiven Entwicklungen nach all dem, was sie durchgestanden haben und vermutlich wünscht sich auch manch ein Leser eine Fortsetzung. Angenehm ist auch, dass man den ersten Band nicht kennen muss - der Autor macht einen Einstieg mehr als leicht und ergänzt die Informationen, die wichtig sind, im Verlauf der Handlung.

„Tödlicher Schlaf“ ist wie der erste Band, „Hafenmörder“, eine spannende Geschichte, in der Carl-Jacob Melcher ermittelt und dabei seine Nase wieder einmal in höchst brisante Themen steckt, die auch den Leser mitreißen dürften. Der Roman überzeugt auf ganzer Linie und macht Lust auf Mehr.