Jana Paradigi: Kitty Carter - Dämonenkuss (Buch)

Jana Paradigi
Kitty Carter - Dämonenkuss
Novel Arc, 2022, Hardcover, 312 Seiten, 16,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

In diesem Jahr scheint Jana Paradigi richtig loszulegen, denn innerhalb kürzester Zeit erscheinen so einige Romane von ihr, alle mehr oder weniger den phantastischen Genres verhaftet. Nach einem Kinderbuch sind nun die Jugendlichen an der Reihe, denn auch „Kitty Carter - Dämonenkuss“ wendet sich an ein eher junges Publikum.


Mitte des 19. Jahrhunderts ist es nicht einfach, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, doch die inzwischen 49 Jahre alte Kitty Carter hat sich diesen Traum erfüllt und lebt alleine in London. Sie arbeitet als Bürokraft bei der City of London Police, deren Beamte gerade eine rätselhafte Mordserie aufzuklären versuchen. Doch dann ändert sich mit ihrem Tod alles. Kitty kehrt mit einem Auftrag von Gott zurück und hat bald genau das gleiche Ziel wie ihre ehemaligen Kollegen. Doch ist es auch nicht einfach, sich als frisch manifestierte Seele in der Welt zurechtzufinden und dies jedem erklären zu müssen, den sie von früher her kennt.

 

Es ist nichts Neues, Fantasy und Mystery im viktorianischen Zeitalter anzusiedeln, denn auch viele Werke der Schauer-Romantik stammen aus dieser Zeit und das Interesse an Okkultismus trieb bunte Blüten in der Welt der Wohlhabenden und Adligen, die ein wenig Nervenkitzel suchten, gerade auch weil durch das Empire viele interessante mystische Strömungen ins Land kamen.

Mit diesem Flair arbeitet auch Jana Paradigi ein wenig, aber sie interpretiert die bekannten Versatzstücke neu und präsentiert eine Heldin, die zum einen nicht jung, aber dennoch unerfahren ist und eine Welt, die auch die dunklen und schmutzigen Seiten zeigt. Immerhin muss sie sich als Frau in diesen Jahrzehnten auch noch alles ziemlich erkämpfen, nur weil die Männer sie nicht ernst nehmen.

Das Ganze ist mit einer spannenden Krimi-Geschichte verbunden, denn Kitty und ihre ehemaligen Kollegen wollen dasselbe: den Mörder finden, der so viele Toten auf dem Gewissen hat. Und das wird sehr spannend und unterhaltsam geschildert, gerade weil die Heldin sehr unerfahren ist und noch Einiges lernen muss. So bleibt die Spannung bis zum Ende gewahrt.

Die Auflösung mag zwar auf den ersten Blick sehr einfach wirken, verfehlt aber nicht das Ziel und ebnet möglicherweise den Weg für weitere Abenteuer der Heldin, die dem mystischen London dieser Zeit noch mehr Leben einhauchen würden. Bis dahin kann man diese abwechslungsreiche und abenteuerliche Geschichte genießen, die auch eine Prise Humor nicht vermissen lässt.

„Kitty Carter - Dämonenkuss“ dürfte alle ansprechen, die von Mystery und der viktorianischen Zeit nicht genug bekommen können. Gerade weil Jana Paradigi viele Elemente neu interpretiert, weht ein frischer Wind durch das Thema und macht sogar Lust auf Mehr.