Maddrax 581: Smythe vs. Smythe, Ian Rolf Hill (Buch)

Maddrax 581

Smythe vs. Smythe

Ian Rolf Hill

Titelbild: Néstor Taylor

Bastei, 2022, Romanheft, 68 Seiten, 2,10 EUR

Rezension von Matthias Hesse

Im aktuellen „Maddrax“ serviert das Autoren-Team eine Begegnung, die längst unausweichlich war: Ewig-Antagonist Professor Jacob Smythe, dessen Geist in einem Androidenkörper steckt, trifft jenen anderen Smythe, den es aus einer Parallelwelt in das Serien-Jetzt verschlagen hat.

Dass es „nur einen“ geben kann, ist dabei von vornherein gesetzt - so muss Episoden-Autor Ian Rolf Hill sich auch gar nicht erst mit allzuviel Psychologie aufhalten, sondern kann in aller Ausführlichkeit das pralle Feuerwerk an Action und Gags abfeuern, das die Leserinnen und Leser von diesem Duell auf Leben und Tod erwartet haben.

Da ihm dies, alles andere wäre überraschend gewesen, auch formidabel gelingt, ist es vielleicht eher interessant, den einen oder anderen Nebenschauplatz von „Smythe vs. Smythe“ zu beleuchten. Denn an der Seite der beiden fiesen Akademiker stehen seit geraumer Zeit zwei Frauengestalten: Der wandlungsfähige Sexbot Lybreyz ist die Begleiterin des Andro-Symthes, der just frisch von Nexxus auf die Erde gekommen und hier auf der Suche nach schweren Waffen ist. Asimovs Robotergesetze sind ihr anscheinend nicht einprogrammiert worden, weshalb ihr das sexuelle Beglücken von Menschen kein Stück schwerer von der Hand geht als deren Terminierung.

Lybreyz gegenüber steht Haaley, die zwar unberechenbar ist, aber wahnsinniger wirkt, als sie am Ende tatsächlich ist - sie nennt zwar eine stattliche Sammlung von Psychomeisen ihr eigen, weiß aber stets sehr genau, was sie tut und warum. Doch neben ihrer manchmal etwas ironischen Loyalität zu „Smitty“ hat sie auch eine eigene Geschichte, die Ian Rolf Hill über eine lange Strecke aufgebaut hat und mit diesem Roman um ein paar wichtige Mosaiksteine ergänzt. Haaleys Jugend in Sankt Petersburg beispielsweise, von der traumatisierende Dinge angedeutet werden. Auch ihr Talent, sich zwecks Selbstrettung rasend schnell in Sprache und Mythologie eines Sahara-Stammes reinzuarbeiten, muss eine Ursache haben - aber welche? Erfreulicherweise nutzt der Autor eine Story, die zum kampflastigen Fanservice-Kracher prädestiniert ist, auch um eine der interessantesten und unterhaltsamsten Figuren der Serie weiterzuentwickeln, auch wenn er eher Fragezeichen als Antworten hinzufügt. Die unerwartete Kooperation zwischen ihr und General Ashley Mara, deren Zerknirschung über das folgenschwere Scheitern einer Mission und ihre Selbstzweifel im Dialog mit einem Aran Kormak, der seinerseits mehr und mehr mit seiner neuen Rolle des tadellos gerechten Militärs verwächst, machen die Handlung emotional, menschlich und eröffnen interessante Optionen für den weiteren Verlauf der Serie.

Etwas befremdet hingegen hat mich die Darstellung des Volkes der Hai'kamal, das zu Beginn der Folge eine wichtige Rolle spielt. In der Geschichte des Romanhefts ist ein Wüstenstamm, der abergläubisch ist, kannibalisch und darüberhinaus körperlich arg deformiert, mit Sicherheit nicht das erste Mal aufgetaucht. Ist ja auch wirklich herrlich trashig und passt in so manches Abenteuer- oder Horror-Setting! Die weißen Gefangenen müssen sich mit List befreien, was der weiblichen Protagonistin auch gelingt, unter anderem weil sie die testosteronbedingte Rivalität zweier junger Männer für sich zu nutzen weiß. So toll das auch geschrieben ist, wirken diese Klischees irgendwie doch aus der Zeit gefallen. Klar, es geht hier natürlich nicht ums dürfen - Literatur kann, darf und soll gerne alles! Doch die Hai'kamal würden sich in einer Pulp Novel aus den 60ern besser machen, als man ein paar „Wilde“ noch unbedarfter als erzählerisches As aus dem Ärmel zaubern konnte. Bei einer Leserschaft im Jahr 2022 sind die Gräuel des europäischen Kolonialismus, wo solche klischierten Schilderungen ja ihren Ursprung haben, durchaus problematisch im Bewusstsein und daher nicht mehr so wirklich zeitgemäß.

Davon abgesehen ist „Smythe vs. Smythe“ ein grandioses, unterhaltsames Heft in einer Serie, die gerade einen steilen Höhenflug erlebt.