Gruselkabinett 156: Krabat (Hörspiel)

Gruselkabinett 156
Krabat
Marc Gruppe (Script)
Sprecher: Peter Weis, Tom Raczko, Edda Fischer u.a.
Titelbild: Ertugrul Edirne
Titania Medien, 2020, 1 CD, ca. 84 Minuten, ca. 8,99 EUR, ISBN 978-3-7857-8156-2

Rezension von Christel Scheja

Gruselige Geschichten voller Magie kommen lange vor der Schauer-Romantik auch schon in vielen Märchen und Sagen vor. Daher hat sich Marc Gruppe dazu entschieden, auch einmal eine solche Geschichte in ein „Gruselkabinett“-Hörspiel umzusetzen. „Krabat“ ist vermutlich bekannter durch die Jugendbuch Adaption von Otfried Preußler, das Hörspiel aber bezieht sich ganz und gar auf die Sammlung aus dem „Sagenbuch des Königreichs Sachsen“.

 

Krabat ist der Sohn von armen Kleinbauern und Tagelöhnern. Sein Stiefvater verlangt deshalb auch von ihm, dass er ebenfalls seinen Teil tut, um den Lebensunterhalt zu verdienen und sei es als Gänsehirte. Doch dann verschlägt ihn das Schicksal in die Teufelsmühle, wo er fortan als Mühlenknappe arbeiten muss. Aber nicht das Mahlen von Korn steht im Vordergrund, Krabat entdeckt, dass sein Lehrmeister den dunklen Pfaden der Magie gefolgt ist und einen Pakt mit dem Teufel eingegangen ist. Dennoch lässt er sich mitreißen und erlernt ebenfalls die Schwarze Kunst, was ihn allerdings in Todesgefahr bringt. Denn der Hexenmeister duldet niemanden an seiner Seite, der ihm ebenbürtig ist…

Und das ist nur ein Teil der Geschichte, denn die Sage geht noch um Einiges weiter als Otfried Preußlers Geschichte. Sie endet nicht mit dem Sieg über den Hexenmeister, sondern erzählt die weiteren Abenteuer des jungen Mannes, der sich später sogar in die Dienste seines Landesherrn stellt. August der Starke ist zunächst gar nicht angetan von dem zauberkundigen Bauernsohn, nimmt ihn erst nur aus Gnade an seinem Hof auf. Aber als Krabat dann schließlich bei den Soldaten landet, kann er sich richtig beweisen und erhält so lebenslange Dankbarkeit.

Zugleich bewegt sich der Held auch weiterhin zwischen den Welten, was am Ende auch zu einer Entscheidung führt, die den früheren Lesern und Erzählern sehr wichtig war.


Tatsächlich ist die Geschichte immer wieder leicht von christlichen Untertönen durchzogen, erlaubt sich aber auch ein paar interessante Freiheiten, die die Kirche vermutlich nicht so gerne gesehen hat.

Wer das Jugendbuch oder zumindest die Filme kennt, der wird über die Unterschiede zur Sage erstaunt sein. Sie mag länger sein, wird dadurch aber auch nicht langweiliger - und ist noch mit ein paar netten Überraschungen gespickt, die man vorher nicht erahnen kann. So ist Spannung von Anfang bis Ende gewahrt.

Die zahlreichen Rollen sind treffend besetzt, jeder der Sprecher hat Spaß an seinem Anteil in der Geschichte und darf zeigen, was er oder sie kann. Dazu kommen eine passende Musikuntermalung und Sound-Effekte, die die Atmosphäre perfekt machen.

„Krabat“ ist ein weiteres Highlight der „Gruselkabinett“-Reihe, gerade weil hier eine abwechslungsreiche Sage konsequent und spannend umgesetzt wurde, die viele vielleicht schon als Jugendbuch kennen, die dadurch aber nicht minder interessant ist.