Lone Wolf & Cub 19 (Comic)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 17. Juli 2018 21:03

Kazuo Koike
Lone Wolf & Cub 19
(Lone Wolf and Cub, 1995 (2001))
Übersetzung: John S.
Titelbild: Matt Wagner
Zeichnungen: Goseki Kojima
Panini, 2006, Taschenbuch, 302 Seiten, 11,00 EUR, ISBN 86607-196-4
Rezension von Irene Salzmann
Der Samurai Ogami Itto hat durch die Intrigen des machthungrigen Yagyu-Clans alles verloren. Gemeinsam mit seinem kleinen Sohn Daigoro schlägt er sich mehr schlecht als recht durch, indem er ständig in Bewegung bleibt und als Auftragsmörder arbeitet. Sein einziges Ziel ist, Rache an jenen zu üben, die ihm das angetan haben.
Ein Brief, der in Ogamis Hände fiel und beweist, dass die Yagyu hinter dem Rücken des Shogun konspirieren, bereitet den Feinden große Sorge.
Bisher hat sich Retsudo, das Oberhaupt der Yagyu, nicht selbst die Hände schmutzig machen wollen und stets andere auf Ogami angesetzt. Nun muss er selbst handeln, denn der Shogun stellte ihm ein Ultimatum, weil es dem Ansehen der Regierung schadet, dass ein einzelner Mann schon so lange einer Übermacht an Häschern entkommen konnte.
Nun wird eine Belohnung für die Ergreifung Ogamis ausgesetzt, die so Mancher gern einstreichen würde. Infolgedessen wird die Situation für Vater und Sohn noch brenzliger. Allerdings treffen sie auch auf selbstlose Menschen, die ihnen helfen.
Ein roter Faden durchläuft die aus vielen einzelnen Episoden, von denen einige kleine Story-Arcs bilden, zusammengesetzte Handlung: Ogami Ittos Wunsch nach Rache, der er alles unterordnet, selbst das eigene und das Wohl seines Sohnes oder das anderer. Er wirkt dadurch mitleidlos, obwohl er es eigentlich nicht ist, doch um sein Ziel zu erreichen, darf er sich nicht mit den Problemen Dritter und Nebensächlichkeiten belasten. Dennoch hilft sein Handeln immer wieder Menschen in Not, gewissermaßen als Zusatzeffekt; retten kann er allerdings nicht jeden.
Die Schilderungen wirken sehr authentisch und zeichnen ein völlig entromantisiertes Bild von Japan im späten 17. Jahrhundert. Die Bevölkerung leidet unter Naturkatastrophen, Krankheiten, Hunger, hohen Abgaben, korrupten Beamten, einem System, in dem jeder seinen Platz hat und der soziale beziehungsweise gesellschaftliche Aufstieg sehr schwer ist. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird streng bestraft, ein Menschenleben zählt wenig.
Dazu passen die Illustrationen, die ausgesprochen realistisch angelegt sind und die Charaktere groß und klein, dick und dünn, jung und alt, attraktiv und hässlich darstellen. Auch die Hauptfiguren Ogami und Daigoro heben sich nicht aus der Menge hervor, sondern wirken völlig durchschnittlich, wenngleich das blinde Vertrauen des Jungen in seinen Vater und dessen überlegene Kampftechnik, der bereits kleine Armeen zum Opfer fielen, mitunter schwer nachvollziehbar sind. Allerdings verübelt man dem Autor diese künstlerischen Freiheiten nicht, mit denen er „Wolf und Welpe“ durch insgesamt 28 dramatische Bände führt.
Die Serie wendet sich an ein reiferes Publikum, das nicht zwangsläufig in die Kategorie ‚Manga-Fans‘ einzuordnen ist. Auch die Leser frankobelgischer und generell Comics für Erwachsene werden Interesse an „Lone Wolf and Cub“ haben, das aus der Masse an Manga- und Comic-Titeln hervorsticht. Allerdings sollte man der Reihe von Anfang an folgen, da viele wesentliche Details erst nach und nach enthüllt und Zusammenhänge erklärt werden.