NOVA Science-Fiction 26, Michael K. Iwoleit & Michael Haitel (Hrsg.) (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 17. Juli 2018 17:26

Michael K. Iwoleit & Michael Haitel (Hrsg.)
NOVA Science-Fiction 26
Titelbild: Andreas Schwietzke.
p.machinery, 2018, Paperback 210 Seiten, 13,90 EUR, ISBN 978-3-95765-136-5 (auch als eBook erhältlich)
Rezension von Carsten Kuhr
Die Zeit für Genre-Magazine scheint vorbei. Ja, Sie werden zurecht auf die „Geek“ oder die „phantastisch!“ verweisen, doch im Zeitalter des Internets, aus dem man Informationen in Sekunden abrufen kann, in denen die Autorenseiten Informationen aus erster Hand für den Interessierten bereit halten, hat sich das Konzept eines regelmäßig erscheinenden Magazins überholt.
Doch halt, da gab es ja noch „NOVA Science Fiction“, ein Magazin, das seinen Schwerpunkt ausdrücklich auf die Publikation herausragender Science-Fiction-Storys gelegt hat und legt. Und die gibt es auch online, zumindest in der Qualität und Massierung, nicht.
In den letzten Jahren hatte das Magazin einige turbulente Zeiten zu überstehen. Die regelmäßigen Erscheinungstermine konnten nicht eingehalten werden, Verlage und Verantwortliche wechselten. Allein die zumeist herausragende Qualität der Geschichten blieb gleich - zahlreiche Preise für die Storys legen hiervon beredt Zeugnis ab.
Jetzt hat man bei p.machinery eine neue verlegerische Heimat gefunden und der erste dort erschienene Band liegt vor mir.
Fangen wir hinten an; getrennt durch immerhin zwei Farbillustrationen wartet hier der erste Teil eines sehr umfangreichen Interviews mit Harald Lesch auf den Leser, bevor sich Dirk Alt mit Lems Katastrophen-Prinzip auseinandersetzt. Dann folgen immerhin drei teils sehr persönliche Nachrufe auf Ursula K. LeGuin und Kate Wilhelm.
Kommen wir nun zu dem Wichtigsten: den Erzählungen.
Moritz Greenman berichtet uns in „Faconneurs“ von einer ganz besonderen Kunstausstellung, die die Zeitreisenden und deren Auswirkungen auf die durch ihren Besuch ausgelöste Paralleldimension hat, thematisieren.
Marc Späni schildert uns den Zusammenbruch des Universums, der vom versehentlichen Diebstahl eines vermeintlichen Flaschenöffners ausgelöst wird.
Thorsten Küper berichtet uns vom Auffinden des ultimativen Heilmittels, das vom finanzierenden Konzern in der Erdumlaufbahn erforscht wird - man weiß ja nie, was die Nanobots nicht alles auslösen können.
Michael K. Iwoleit erzählt in einer ergreifenden Geschichte von einem Forscher, der grausam an Krebs zugrunde geht. Dass seine Forschung, der er sein persönliches Glück, seine Familie und Freunde geopfert hat von Erfolg gekrönt ist, scheint angesichts des Leidens und des Sterbens plötzlich unwichtig.
Michael Friebel erklärt uns in seinem Beitrag die Gefahren der Quantenphysik, die ganz markante Folgen für einen Wissenschaftler zeitigen.
Bernhard Kempen dokumentiert einen Erstkontakt, bei dem die Sexualität eine wichtige Rolle spielt.
Norbert Stöbe berichtet uns von einer Raumstation, die Müll und Schrott sammelt und dabei etwas Seltsames an Bord nimmt.
Klaus Berger-Schwab schließt den Prosa-Teil mit einer bitterbösen Geschichte um die Wunder der modernen Medizin und diejenigen ab, die diese sich nicht leisten können.
Herausragend aus der durchgängig guten Qualität sicherlich die Geschichte von Iwoleit, der uns die Verzweiflung, die Ausweglosigkeit und die damit verbundene seelische Pein seines Protagonisten intensiv, einfühlsam und nachvollziehbar näher bringt.
So ist dies ein Neubeginn, der hoffen lässt, dass das Magazin, das sich der deutschsprachigen Kurzgeschichte verschrieben hat, zukünftig regelmäßig und pünktlich erscheinen wird - die Leser werden es hoffentlich zu goutieren wissen.
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