Gruselkabinett 134: Das älteste Ding der Welt, Willy Seidel (Buch)

Gruselkabinett 134
Das älteste Ding der Welt
Willy Seidel & Marc Gruppe (Script)
Sprecher: Peter Weis, Lois Friedemann Thiele, Horst Naumann u.a.
Titelbild: Ertugrul Edirne
Titania Medien, 2018, 1 CD, ca. 89 Minuten, ca. 8,99 EUR, ISBN 978-3-7857-5625-6

Rezension von Christel Scheja

„Das älteste Ding der Welt“ stammt aus der Feder von Willy Seidel (1887-1934) und wurde 1923 erstmals veröffentlicht. Der Autor ist heute so gut wie unbekannt, auch dürfte seine Geschichte kaum einer kennen, so dass die Zuhörer nun auch einen recht ungewohnten Inhalt geboten bekommen.

 

Harald von Calmus, der einzige Sohn des schon etwas älteren Reichsfreiherren von Calmus-Dunkelstedt, hat nicht wirklich Interesse daran zu lernen, deshalb versucht er so oft er kann, seinem Hauslehrer und dessen Lektionen zu entkommen. Ihn zieht es viel lieber in die freie Natur, die er in langen Wanderungen erkundet. Schließlich gerät er dabei ihn einen seltsamen Forst, der mehr als verwunschen zu sein scheint.

Obwohl er nicht mehr dorthin zurückkehren will, wo es dunkel und kalt ist und jeden Menschen schon bald ein Gefühl des Grauens erfüllt, spürt Harald schon bald das Verlangen, die Lichtung mit dem Hexenkreis wieder aufzusuchen, um Antwort auf seine seither verworrenen Träume zu finden. Und dort trifft er auf einen alten Chinesen, der ihm gar Schreckliches enthüllt.


„Das älteste Ding der Welt“ scheint zunächst eine typische Geschichte im Stil der SchauerRomantik zu sein. Ein junger noch unbescholtener Mann, ein Träumer, der mit den Anforderungen der normalen Welt nicht zurecht kommt, gerät in den Bannkreis alter Mächte und findet in einem alten Mann, einen Weisen aus dem Fernen Osten, schließlich sogar einen Mentor - oder ist Doktor Sze eher sein Herr?

Schon bald kann Harald das nicht mehr unterscheiden, er weiß nur noch eines: Das Geheimnis des Waldes muss gelüftet und gebannt werden.

Die Erzählung beginnt sehr atmosphärisch und schafft es, Neugier zu wecken; auch Musik und Soundeffekte sorgen immer wieder dafür, dass man aufhorcht. Allerdings beginnt die Geschichte zur Hälfte langsam zu verlieren, denn der Autor trägt nicht nur dick auf, in die Erzählung fließt auch schon bald Gedankengut ein, das auch einen bitteren Beigeschmack hat.

Die okkultistischen Elemente wirken stellenweise aufgesetzt und ein wenig zu sehr an den Haaren herbeigezogen; hier wäre weniger vermutlich wirklich mehr gewesen. Nett ist noch der Twist am Ende - der das Ganze wieder etwas heraus reißt.

Die Sprecher machen ihre Arbeit allerdings gut und retten die Handlung auch über die schwächeren Teile hinweg, auch wenn das Hörspiel insgesamt etwas zu lang ist.

Alles in allem ist „Das älteste Ding der Welt“ aus der „Gruselkabinett“-Reihe durchaus hörbar, man sollte sich allerdings ab der Hälfte auf Längen und Übertreibungen einstellen, die zwar aufgefangen werden, aber so nicht so hätten sein müssen.