Paul O. Williams: Die Kuppel im Wald - Pelbar 3 (Buch)

Paul O. Williams
Die Kuppel im Wald
Pelbar 3
(The Dome in the Forest, Pelbar Cycle Book 3, 1982)
Übersetzung von Irene Holicki
Titelbild von Martin Frei
Cross Cult, 2016, Paperback mit Klappenbroschur, 336 Seiten, 16,00 EUR, ISBN 978-3-86425-844-2 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Paul O. Williams hat eigentlich nur ein größeres Werk geschaffen. Der siebenbändige „Pelbar“-Zyklus ist zugleich ein Kind seiner Entstehungszeit. Gerade um 1980 herum stellten sich Autoren und Visionäre sehr viele Fragen zum Thema, wie es wohl mit der Menschheit weitergehen könnte. Ein dritter Weltkrieg oder eine globale Umweltkatastrophe schien fast schon selbstverständlich dazu zu gehören. Doch was dann? Gerade im dritten Band, „Die Kuppel im Wald“, bringt der Autor ein neues Element in die Handlung mit ein.

 

Anders als die Pelbari sind die Stämme der Shumai und Sentai immer noch damit zufrieden, nomadisierend durch die Steppe zu ziehen, auch wenn sie natürlich von den Entwicklungen und dem Wissen der Sesshaften profitieren. Einmal jährlich treffen sich beide Stämme in der Nähe eines tiefen Kraters, aus dem zu dieser Zeit ein Metallstab ausfährt, dessen Erscheinen sie schon so lange feiern wie sie denken können. Was sie nicht wissen ist, dass dieser „Stab“ eine Sonde ist, Teil eines Bunkersystems, in das sich vor vielen hundert Jahren einige Menschen zurückgezogen haben, um den Atomkrieg zu überleben. Ihre Nachkommen sind allerdings ziemlich degeneriert, auch wenn sie die Technik immer noch zu nutzen wissen. Aber das Wissen schwindet und die Gruppe, die sich tapfer hält, ist vom Aussterben bedroht. Dennoch ist die Angst immer noch zu groß, um sich an die Oberfläche zu wagen. Bis ein junges Mädchen den ersten Schritt macht und es so zu einer ersten folgenschweren Begegnung kommt…


Die Leser wissen mittlerweile ganz gut, was auf der Oberfläche passiert und welche Kulturen sich dort herausgebildet haben, doch nun fügt der Autor dem Ganzen noch ein Detail hinzu, das Kenner postapokalyptischer Szenarien sicherlich schon lange erwartet haben: die Bunkerzivilisation. Die dort lebenden Leute haben zwar das Wissen bewahrt, aber sie sind auf der anderen Seite auch degeneriert und merken, dass es mit ihnen zu Ende geht. Wie so oft trauen sie sich natürlich nicht, ihre Lebensweise zu ändern, bis ein Mädchen mehr - aus Angst und Zufall als aus Berechnung - den Erstkontakt wagt.

Der Kultur-Clash wird interessant in Szene gesetzt - die zivilisatorisch vielleicht in die Barbarei und frühen Zivilisationen zurückgefallenen Menschen der Oberfläche erweisen sich aber als wesentlich offener und toleranter als diejenigen, die sich in den Ruinen der Vergangenheit versteckt haben - und es braucht so Einiges an Zeit, ehe man sich zusammengerauft hat.

Wie immer spielen Gewalt und Action keine Rolle; dem Autor ist es wichtiger, die Auswirkungen des Aufeinandertreffens in beiden Gruppen zu schildern und diese auf friedliche Weise einen Konsens finden zu lassen. Das ist interessant und glaubwürdig aufbereitet, auch wenn man Geduld mitbringen muss. Insgesamt schreitet die Handlung eher gemächlich voran, die Social Fiction tritt vor das Abenteuer und der naiv wirkende Stil könnte auch den ein oder anderen abschrecken, der mehr erwartet hat.

„Die Kuppel im Wald“ greift neue Aspekte der Welt auf und fügt dem „Pelbar“-Zyklus weitere wichtige Facetten hinzu, die interessant aber im gewohnten Stil und Tempo erzählt werden, so dass Leser statt dem Abenteuer eher eine detailverliebte, geruhsame Handlung erwarten sollten, in der soziokulturelle Entwicklungen wichtiger sind als alles andere.