Stefanie Lasthaus: Gretel (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Samstag, 17. Oktober 2026 07:25

Stefanie Lasthaus
Gretel
Heyne, 2026, Hardcover, 480 Seiten, 20,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
„Hänsel und Gretel“ gehört zu den bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm, wurde bisher aber eher weniger in der modernen Fantasy-Literatur adaptiert. Stefanie Lasthaus hat aber einen Weg gefunden, aus den bekannten Motiven etwas Neues zu machen, wie ihr Roman „Gretel“ zeigt.
Margaret, auch Mae genannt, lebt mit ihrem Bruder Jonathan und den Eltern in einem Dorf am Rande eines Waldes, von dem düstere Dinge erzählt werden. Sie nimmt das Gerede von dunkler Magie nicht ernst, bis sie selbst davon betroffen ist.
Denn die Berührung mit einem halb verhungerten Jungen lässt die anderen glauben, sie sei ebenfalls von düsteren Zaubern befallen. Daher verbannt man sie in den Wald. Zusammen mit ihrem Bruder Jonathan versucht sie dort zu überleben und entdeckt dabei grausame Geheimnisse.
Stefanie Lasthaus konzentriert sich in ihrem Roman ganz auf das Setting und lässt dabei auch bewusst das Worlbuiding außer Acht, spielt es doch nicht wirklich eine Rolle, was jenseits des Dorfes und des Waldes eigentlich geschieht.
Die beiden Geschwister sind eng miteinander verbunden, deshalb stehen sie nach Maes Verbannung auch gemeinsam die Wanderung durch den Wald durch, in dem es wirklich zu spuken scheint. Doch ganz unbewohnt ist er nicht, leben dort doch auch noch andere Menschen und bei einigen scheint sich zu bewahrheiten, dass die dunkle Magie in diesem Wald wahnsinnig zu machen droht. Anders als viele der Verbannten, sind Mae und Jonathan aber nicht gewillt, sich einfach in ihr Schicksal zu ergeben und suchen einen Ausweg, nur um noch mehr Unheil zu entdecken. Und ab da wird es auch richtig gruselig.
Die Geschichte nimmt sich sehr viel Zeit, die gruselige Atmosphäre aufzubauen und spielt mit den entsprechenden Details. Denn es sind immer wieder kleine Hinweise und Andeutungen, nicht größere Überraschungen, die das Unheil beschreiben und so nach und nach auch unheimliche Elemente einfließen lassen.
Das könnte eventuell die Fans stören, die mehr Horror und Action erwarten, als ihnen die Autorin zugesteht. Aber wer eher leises und subtiles Grauen mag, Fragen, die sich nicht ganz einfach beantworten lassen, der sollte dem Buch eine Chance geben. Es mag seine Zeit brauchen, warm zu laufen, bietet aber gerade in der zweiten Hälfte angenehmen Grusel, der gut in die Zeit passt.
„Gretel“ macht aus den klassischen Märchen-Motiven einen unterhaltsamen Grusel-Roman, der nicht auf an Effekten und Blut reichen Horror setzt, sondern eher auf kleine, aber feine Entwicklungen, die nach und nach eine Atmosphäre des Grauens aufbauen.