Alix E. Harrow: Die Legende von Una Everlasting (Buch)

Alix E. Harrow
Die Legende von Una Everlasting
(The Everlasting, 2025)
Übersetzung: Peter Beyer
Goldmann, 2026, Hardcover, 512 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

„Die Legende von Una Everlasting“ ist der Gewinner gleich zweier amerikanischer Genre-Preise, denn er erhielt 2026 nicht nur den Locus Award sondern auch den Hugo Award als Bester Fantasy-Roman. Die Autorin Alix E. Harrow kennt man in Deutschland bereits durch „Starling House“.


Schon als Kind ist Owen Mallory von einer Legende gefesselt, die ihn Zeit seines Lebens nicht loslassen wird. Denn immerhin nahm sie in seiner Heimat offensichtlich ihren Anfang – die Erzählung von dem jungen Waisenmädchen, das ein magisches Schwert aus einer Eibe zog, zur Ritterin wurde und sogar das Reich rettete, bis sie durch Verrat starb.

Er selbst versucht sich als Soldat und landet schließlich doch als Historiker in staubigen Bibliothekshallen. Aber durch ein uraltes Buch gerät er in die Vergangenheit und das Reich der Legenden, bekommt so die Chance, Una Everlasting zu retten. Und das nicht nur ein einziges Mal.


Denn ihrer beider Schicksale sind untrennbar miteinander verbunden, daraus macht die Geschichte selbst keinen Hehl. Sie wird auch auf eine recht ungewohnte Art und Weise erzählt, denn die „Du“-Form kommt in der heutigen Zeit nur sehr selten vor und schafft durchaus etwas mehr Distanz als üblich.

Owen Mallory ist zunächst der alleinige Erzähler der Handlung, aber später kommen auch noch andere Perspektiven hinzu, denn je mehr sich die Geschichte verschachtelt, desto komplexer werden die Verbindungen, hält doch noch jemand anderes die Fäden in Händen, der ganz und gar nicht mit manchen Entwicklungen einverstanden ist.

Liebe und Gefühle mögen zwar wichtig sein und gelegentlich auch der Motivation der Helden dienen, aber das steht absolut nicht im Vordergrund des Geschehens, sondern mehr die Entwicklung der Figuren, die immer wieder versuchen aus dem für sie vorgesehenen Schicksal auszubrechen.

Das Ganze spielt bewusst mit den Motiven, die wir aus unzähligen Ritter-Geschichten kennen, präsentiert dies aber auch auf eine sehr bodenständige Art und Weise. Gleichzeitig verändert die Autorin immer wieder die Wahrnehmung der Lesenden und lädt diese dazu ein, sich eigene Gedanken zu machen.

Immerhin bricht sie nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich mit so manchen Konventionen, gerade weil sie auch auf Distanz zu den Figuren bleibt und eher dafür sorgt, dass man das Geschehen als außenstehender Beobachter betrachtet, so wie das auch viele Historiker tun.

Man versteht schon, warum „Die Legende von Una Everlasting“ so viele Preise abgeräumt hat, denn der Roman spielt sehr intelligent und eigenwillig mit klassischen Motiven und erzählt eine komplexe Handlung, die mehr als einmal interessante Fragen stellt, die Lesende zum Nachdenken bringen und die Geschichte nachwirken lässt, vor allem wenn man bereit für Fantasy ist, die sich aus der Masse der Neuerscheinungen abhebt.