Sonia Tagliareni: Deathbringer - Der Kuss der Schlange (Buch)

Sonia Tagliareni
Deathbringer - Der Kuss der Schlange (Deathbringer, 2026)
Übersetzung: Caroline Weißbach
Titelbild: Kelli McAdams
Heyne, 2026, Hardcover, 590 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Im Zentrum des Romans steht Viola, eine Todesmagierin, die ihre Gabe verabscheut. Seit ihre Schwester Olivia unter mysteriösen Umständen starb, verbindet sie ihre Fähigkeit, mit den Toten zu sprechen, vor allem mit Schmerz und Schuld. Ihre Suche nach Antworten führt sie an das abgeschottete Gorhail Institute of Magic - an jenen Ort, an dem Olivia ihre letzten Tage verbrachte.

Statt der erhofften Aufklärung stößt Viola dort jedoch auf Misstrauen, Intrigen und vor allem auf Sylas, einen unsterblichen Giftmagier, dessen Abneigung gegen Todesmagier kaum zu übersehen ist. Als ein magisches Band die beiden ungewollt miteinander verbindet, werden sie gezwungen, zusammenzuarbeiten - ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als am Institut immer mehr Studenten ermordet aufgefunden werden…


Gothische Gebäude, düstere Akademien und magische Mord-Ermittlungen gehören inzwischen fast zum festen Repertoire der Romantasy. Doch „Deathbringer - Der Kuss der Schlange“ gelingt es, vertraute Versatzstücke mit genügend Eigenständigkeit zu versehen, um aus der Masse hervorzustechen. Der Roman verbindet Dark-Academia-Atmosphäre, eine langsam entflammende Enemies-to-Lovers-Dynamik und einen vielschichtigen Kriminalfall zu einer fesselnden Geschichte über Schuld, Verlust und die Schattenseiten magischer Macht.

Besonders reizvoll ist dabei das Magiesystem, das sich angenehm von gängigen Fantasy-Konzepten abhebt. Die Kräfte der Magier sind an individuelle Relikte gebunden, die nicht nur Fähigkeiten verleihen, sondern auch eine eigene Historie, Verantwortung und Grenzen mit sich bringen. Sylas’ drei magische Schlangen sind dabei weit mehr als dekoratives Beiwerk: Sie besitzen eine eigene Präsenz und verleihen seiner Figur zusätzliche Tiefe. Auch Violas Nekromantie wird nicht als spektakuläre Superkraft inszeniert, sondern als belastendes Erbe, das eng mit ihrer tiefen Trauer und ihrem Wunsch nach Aufklärung der Todesumstände der Schwester verknüpft ist.

Die größte Stärke des Romans liegt in seinen Figuren. Viola und Sylas folgen zwar zunächst bekannten Romantasy-Mustern, entwickeln aber rasch ein glaubwürdiges Eigenleben. Ihr Verhältnis lebt von gegenseitigem Misstrauen, scharfzüngig-pointierten Wortwechseln und einer Anziehungskraft, die sich langsam, fast behutsam und damit nachvollziehbar entfaltet. Dabei verliert die Handlung nie den Blick für die persönlichen Konflikte der beiden.

Violas Trauer um ihre Schwester bleibt der emotionale Kern der Geschichte, während Sylas nach und nach seine Rolle als vermeintlich arroganter Außenseiter hinter sich lässt und als ein von Schuld und Verlust gezeichneter Charakter mehr Kontur gewinnt.

Auch als Fantasy-Krimi überzeugt der Roman. Die Mordserie am Institut entwickelt sich von einer Reihe rätselhafter Todesfälle zu einer weitreichenden Verschwörung, die tief in die Geschichte der magischen Relikte und der Akademie selbst hineinreicht. Die Ermittlungen führen uns Lesende durch düstere Korridore, verborgene Geheimnisse und eine Welt, in der die Toten nicht schweigen.

Besonders im letzten Drittel zieht das Tempo spürbar an. Enthüllungen und Wendungen greifen geschickt ineinander und verleihen vielen zuvor gelegten Indizien und Spuren rückwirkend eine neue Bedeutung.

So präsentiert sich „Deathbringer - Der Kuss der Schlange“ als atmosphärische Dark-Academia-Romantasy, die nicht allein auf ihre Liebesgeschichte setzt, sondern ebenso von ihrem originellen Magiesystem, ihren glaubwürdigen Figuren und einem spannenden Mystery-Plot lebt.