Julia Dippel: Velvet Falls, but the Gods Forgot to Die (Buch)

Julia Dippel
Velvet Falls, but the Gods Forgot to Die
Velvet 1
Titelbild: Carmen di Mauro
Loomlight, 2025, Hardcover, 510 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Eigentlich wollte die junge Velvet nur eines im Leben: die Arkane Akademie besuchen und eine anerkannte, erfolgreiche Hexe werden. Man muss dazu wissen, dass die Altgötter eines Tages genug davon hatten, sich verborgen zu halten, und die Magie auf die Erde zurückbrachten. Seitdem herrschen die leibhaftigen Götter wieder über die blaue Kugel, genannt Erde.

Unglücklicherweise standen mit der Öffnung der Tore nicht nur die himmlischen Mächte bereit - auch die weniger angenehmen Bewohner der tiefsten Ebenen meldeten sich zurück: die Dämonen.

Doch zurück zu unserer Möchtegern-Hexe. Velvet begegnet Kashmere, genannt Kash, einem charismatischen, einfühlsamen Mann, verliebt sich in ihn - wie er sich in sie. Dann allerdings betrügt sie ihn, zumindest scheinbar, an ihrem Geburtstag. Damit ist die große Liebesgeschichte abrupt beendet. Der Galan, immerhin einer der sieben Söhne der Urmutter, geht seines Weges, sie den ihren.

Und dieser Weg führt Velvet mitten hinein in die gefährliche Kunst der Dämonenjagd. Sie öffnet sich einem hochrangigen Dämon, bekämpft und besiegt ihn, um dessen Kräfte zu übernehmen und fortan für die Gilde erfolgreich Jagd auf die Kreaturen der Unterwelt zu machen. Dass sie dabei göttliche Hilfe in Anspruch nimmt, darf allerdings niemand erfahren.

Doch jede Hilfe hat ihren Preis. Die Dämonen planen, ein tödliches Virus auf die Götter loszulassen - und ausgerechnet Velvet soll dies verhindern. Dafür benötigt sie das Blut aller sieben Urgöttersöhne… und genau an dieser Stelle tritt Kash erneut ins Bild.

Nicht nur, dass er gegen entsprechendes Entgelt offenbar Probleme jeglicher Art für alle und jeden lösen kann - er ist selbst einer der Sieben. Und so begegnen sich die einstigen Liebenden erneut.


Was in der Inhaltsangabe zunächst wie ein allzu deutlich auf Spice getrimmter Romantasy-Titel wirkt, entpuppt sich überraschend schnell als in der ersten Hälfte des Buches erstaunlich handfester Action-Roman. Die Autorin eröffnet ihre Geschichte mit hohem Tempo, wirft ihre Protagonistin ohne größere Vorrede mitten ins Chaos und inszeniert die Kämpfe brutal, dynamisch und durchaus packend.

Im Zentrum steht dabei eine junge Frau, die sich in einer klassischen Männer-Domäne behauptet und ihren oftmals testosterongesteuerten Kollegen nicht nur Paroli bietet, sondern ihnen regelmäßig zeigt, wo der Hammer hängt. Velvet ist keine sonderlich tiefgründig angelegte Figur, besitzt aber genug Präsenz und Biss, um die Handlung mühelos zu tragen.

Überhaupt liegt die Stärke des Romans weniger in psychologischer Zeichnung der Figuren als vielmehr in seinem Tempo. Geheimnisse werden angedeutet, Intrigen früh in Stellung gebracht, neue Figuren eingeführt, alte Beziehungen neu aufgewärmt. Obwohl ab gut der Hälfte des Romans die erotischen Elemente immer stärker in den Vordergrund treten, verliert der Text dennoch nie seine rasante Spannung. Die Autorin versteht es, ihre Leserinnen und Leser bei der Stange zu halten, indem sie den Plot konsequent weiter vorantreibt.

Dass sich die größere Verschwörung für meinen Geschmack etwas zu früh abzeichnet, schmälert die Unterhaltung kaum. Denn genau darauf ist der Roman letztlich ausgerichtet: auf Tempo, Eskalation und kurzweilige Unterhaltung. Wer tiefgründige Charakters-Studien, literarische Ambitionen oder große existenzielle Fragen sucht, dürfte hier kaum fündig werden. Die Figuren bleiben insgesamt eher funktional, Vieles ordnet sich der rasanten Handlung unter.

Doch eben diese entfaltet beträchtliches Unterhaltungspotenzial. Die Seiten fliegen dahin wie eine gut inszenierte Achterbahnfahrt - laut, überzogen, manchmal etwas plakativ, aber ausgesprochen effektiv.