Alice Doublier: Heller als Feuer (Buch)
- Details
- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Mittwoch, 29. April 2026 10:56

Alice Doublier
Heller als Feuer
(Elles et le Feu, 2024)
Übersetzung: Karen Gerwig
Piper, 2026, Paperback, 464 Seiten, 18,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Der Markt wird überflutet von Fantasy-Romanen aus dem englischsprachigen Raum, so dass Geschichten aus dem europäischen Umfeld eher Seltenheitswert haben. Das war früher schon so, das scheint heute nicht anders zu sein. Zu den seltenen Ausnahmen gehört auch das gerade erschienene „Heller als Feuer“ von Alice Doublier.
Alythia ist zwar die Thronerbin des kleinen Reichs Ramil, hütet aber auch ein dunkles Geheimnis. Denn sie besitzt magische Feuerkräfte und bringt damit nicht nur sich, sondern auch ihre Familie in Gefahr, vor allem jetzt, wo sie an den Hof des Prinzen Hadrian kommt.
Eigentlich soll sie bei der Brautschau, die er und seine Eltern veranstalten, unter dem Radar bleiben, doch es kommt anders.
Und nicht zuletzt kämpfen zur gleichen Stunde die Prinzessinnen Efia und Sybil um ihre Bestimmung an einem Hof voller Intrigen.
Der Roman macht keinen Hehl daraus, dass er Romantasy sein will, denn es ist all das vorhanden, was man sonst auch findet: eine starke Heldin mit düsteren Geheimnissen, ein gutaussehender Prinz und genug Intrigen, um einem königlichen Hof in Atem zu halten. Nicht zuletzt natürlich auch ein guter Schuss an Leidenschaft, zumindest am Anfang.
Dann aber hören die Ähnlichkeiten auch schon auf, denn die Handlung dreht sich schon bald in eine ganz andere Richtung, nämlich die der Charakter-Entwicklung. Die Prinzessinnen erkennen recht schnell, dass es für sie um andere Dinge geht, als eine gute Ehe zu starten, da ihrer aller Weltbild erschüttert wird. Vor allem Alythia muss erkennen, dass ihre magischen Gaben kein Fluch sind, sondern eine Gabe, die ihr dabei helfen könnte, sich aus den politischen Zwängen zu befreien und einen ganz eigenen Weg zu gehen. Und sie ist damit auch nicht die Einzige. Denn vor allem Sybil erkennt, was in ihrem Leben wirklich wichtig sein sollte.
Das GAanze Geschehen wird überraschend unspektakulär und undramatisch in Szene gesetzt, was allerdings auch für etwas Distanz zu den Charakteren sorgt. Zudem laufen die drei Handlungsstränge auch sehr lange nebeneinander her und verbinden sich auch nur locker miteinander. Aber immerhin werden im Verlauf der Geschichte dann doch immer wieder die üblichen Erwartungen gebrochen und die Spannung bleibt deshalb auf einem guten Niveau.
Immerhin gibt es auch angenehme Ansätze eines Weltenbaus, auch wenn der Hintergrund und die Magie nicht so ausgeführt werden, wie man es sich wünschen würde. Aber die Geschichte bringt wenigstens etwas frischen Wind in das Genre. Der Roman ist weitestgehend in sich geschlossen, ermöglicht aber auch noch eine Fortsetzung.
„Heller als Feuer“ durchbricht ein wenig die gängigen Klischees der Romantasy, was vermutlich daran liegt, dass das Buch aus Frankreich stammt. Immerhin gibt es einige Überraschungen, auch wenn beim interessanten Hintergrund der Welt noch jede Menge Luft nach oben wäre.