Uli Aechtner: Poyais - Ein Land, das es nie gab (Buch)

Uli Aechtner
Poyais - Ein Land, das es nie gab
Emons, 2026, Paperback, 448 Seiten, 20,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Uli Aechtner war als Journalistin tätig und arbeitete für den französischen Fernsehsender TF 1, beim SWF und gestaltete auch Filmbeiträge für ARD und ZDF. Dann aber beschloss sie zu schreiben und veröffentlichte einige Krimis. Nun legt sie mit „Poyais - Ein Land, das es nie gab“ einen Historischen Roman vor.


Gregor MacGregor verspricht ihnen den Himmel auf Erden, einen Neubeginn in Südamerika, der ihnen Land, Freiheit und Reichtum bringen kann, wenn sie es nur richtig anstellen. Deshalb folgen auch viele auswanderungswillige Menschen seinem Angebot, zumal er sich auch schon als Held bewiesen hat.

Doch als sie in Poyais ankommen, müssen sie feststellen, dass sie einem grandiosen Betrug aufgesessen sind. Auch die Kaufmannstochter Julie gehört zu den Männern und Frauen, die nun versuchen müssen, in der ungewohnten Umgebung und unter feindlichen Eingeborenen zu überleben, um vielleicht einen Weg zurück nach Europa zu finden.


Neben den großen Auswanderungswellen, die Abertausende von Menschen von Europa aus in die Neue Welt lockten, gibt es auch die eine oder andere Geschichte, die gegenüber den großen Dramen bedeutungslos erscheint und so kaum erwähnt wird. Einem solchen Vorfall nimmt sich die Autorin nun in ihrem Historischen Roman an, denn es hat General MacGregor und seinen großen Betrug mit dem sagenhaften Poyais tatsächlich gegeben.

Die Autorin kleidet die Kampagne, die so vielen Menschen Besitz und manchmal auch das Leben kostete, in einen spannenden Roman aus Einzelschicksalen. Eine zweite Handlungsebene ist einige Jahr früher angesetzt und beschreibt, was MacGregor vorher getrieben hat, und warum er solch eine Bedeutung erlangen konnte.

Die Autorin lässt ihn, seine Gedanken und Beweggründe aber eher außen vor. Stattdessen konzentriert sie sich auf einige der Auswanderer und Soldaten, die die historischen Ereignisse hautnah miterleben. Im Mittelpunkt stehen deshalb vor allem die deutsche Kaufmannstochter Julie, die vor einer arrangierten Ehe flieht, und der irische Söldner Liam. Durch sie bekommt man das Drama mit, kann hautnah fühlen, welche Gefahren und welche Last die Auswanderer auf sich nahmen, um doch nur enttäuscht zu werden.

Das ist lebensnah und glaubwürdig in Szene gesetzt, die Figuren wachsen einem ans Herz. Und es ist erstaunlich, dass sich die Männer und Frauen recht gesittet verhalten, die üblichen Klischees nicht in dem Maße auftauchen, wie man es sonst immer sieht. Auf jeden Fall ist es spannend, auch wenn am Ende ein paar Dinge im Sande verlaufen, die die Geschichte vielleicht noch runder gemacht hätten. Aber auch schon so ist der Roman flott, ohne Längen und durchweg unterhaltsam.

„Poyais - Ein Land, das es nie gab“ erzählt von einem realen Coup, dem Hunderte von auswanderungswilligen Europäern auf den Leim gingen und bietet so abseits von den gängigen Klischees und Themen einen interessanten Überblick über eine wahre Geschichte, die aber heute kaum noch jemand kennt.