Maja Ilisch: Die verborgenen Bilder (Buch)

Maja Ilisch
Die verborgenen Bilder
Oetinger, 2026, Hardcover, 304 Seiten, 16,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Maja Ilisch dürfte den meisten deutschen Lesern durch ihre phantastischen Romane bekannt sein. Aber mit ihrem neuesten Buch greift sie ein wichtiges Thema auf, das alle angeht, auch schon ihre jüngsten Leser. Denn „Die verborgenen Bilder“ erlaubet eine Zeitreise der besonderen Art.


Frieke ist am Boden zerstört. Ihre Eltern haben sich getrennt, nur weil ihr Vater mit einem anderen Mann zusammenleben will. Deshalb muss sie auch mit Schwester und Mutter in eine andere Wohnung ziehen, die schon bald Überraschungen bietet. Denn als sie die Tapeten ablösen, entdecken sie direkt auf der Wand Zeichnungen, die um die hundert Jahre alt sein müssen. Und ehe sie sich versieht, kann Frieke in die späten 1920er Jahre zurückreisen und lernt dort Ilsabeth kennen, die die Bilder damals hinterlassen hat.

 

Die Geschichte nimmt sich die Zeit, das Szenario aufzubauen. Man erfährt nicht nur, wie Frieke mit den neuen Entwicklungen hadert und nur noch wütend ist, sondern auch, wie sehr sie sich nach einer perfekten Familie sehnt.

Die scheint in der Vergangenheit gefunden zu sein, denn Ilsabeth lebt in einer friedlichen und harmonischen Gemeinschaft, in der auch der Bruder ausgesprochen nett ist. Doch nach und nach schleichen sich immer mehr Misstöne ein. Das sind nicht nur die Lebensumstände, die heute untragbar erscheinen, auch die Denkweise ihrer neuen Freunde, die ja noch nicht wissen, was auf sie zukommen wird.

Maja Ilisch versucht so ihren jungen Lesern zu erklären, warum die Nationalsozialisten und Hitler damals so viel Zulauf und auch Zustimmung bei der Bevölkerung, selbst bei Kindern und Jugendlichen, bekamen. Und sie sorgt durch Entwicklungen in der Gegenwart dafür, dass ihre Heldin schnell umzudenken lernt.

Die Handlung trägt diese Botschaft auf einfühlsame Art und Weise, fesselt durch kleine Alltäglichkeiten, die aufschrecken lassen und muntert gerade Kinder um die zwölf Jahre auf, sich Worte und Taten genauer anzuschauen.

Deshalb ist das Ende aufrüttelnd, aber dennoch hoffnungsvoll und lädt zu mehr als nur Nachdenken ein. Die Figuren sind dementsprechend facettenreich ausgearbeitet, um zu zeigen, dass auch die Menschen am Ende der Weimarer Republik nicht anders waren als die Leute heutzutage.

Das macht „Die verborgenen Bilder“ zu einem warmherzigen Blick in eine Vergangenheit, die heute näher scheint als je zuvor. Die wichtigen Botschaften werden in eine abwechslungsreiche und glaubwürdige Handlung verpackt, die auch schon für Kinder ab zehn oder elf Jahren gut zu erfassen ist.