Hanna Aden: Die Kryptografin - Für Träume braucht man Mut (Buch)

Hanna Aden
Die Kryptografin - Für Träume braucht man Mut
Penguin, 2025, Paperback, 480 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Hanna Aden scheint im Moment besonders von der Nachkriegszeit fasziniert zu sein. Deshalb deckt auch ihre neue Geschichte „Die Kryptografin - Für Träume braucht man Mut“ die frühen 50er Jahre ab, in der Vieles noch im Aufbau war, Frauen allerdings noch sehr kämpfen mussten, um anerkannt zu werden.


Margot ist eine der wenigen Frauen, die Mathematik studieren und hat das Ziel, Professorin zu werden. Sie zeigt aber schon bald so viel Talent für die Kryptographie, so dass eine andere Stelle auf sie aufmerksam wird und ihr ein Angebot macht, das sie nicht wirklich ablehnen kann, auch wenn sie sich damit schon früh festlegt.

Während die junge Frau mit den Tücken des Berufslebens kämpft, versucht ihre Freundin Sue in einem anderen Bereich Fuß zu fassen. Sie kann zwar aus finanziellen Gründen nicht studieren, hat aber großes Talent und will mit ihren Worten auf die Situation von Frauen und Mädchen aufmerksam machen, die noch immer stärker eingeschränkt als Männer sind.


Gleich zwei interessante Themen greift Hanna Aden in ihrer Geschichte auf. Zum einen ist da die Geschichte zweier junger Frauen, die versuchen ihren Platz im Leben zu finden, auch wenn ihnen immer wieder Steine in den Weg geworfen werden. Zum anderen wirft die Autorin einen Blick auf die frühen Jahre des Geheimdienstes, der damals noch nicht BND hieß.

Margot und Sue haben es nicht einfach. Sie kommen beide aus Familien, in denen die Väter oder sogar beide Eltern fehlen und müssen sehen, wie sie sich durchbeißen. Aber beide haben Träume, für die sie im Verlauf der Geschichte zu kämpfen beginnen.

Mathematisches Talent und einen Instinkt für Zahlen und Verschlüsselungen reichen nicht aus, das bekommt Margot zu spüren, als sie auf das überraschende Angebot eingeht und es erst einmal mit einer fiesen Kollegin zu tun bekommt. Und da kommen ihre Freunde ins Spiel: Sue, die einfühlsam durchschaut, was sie quält, und Willi, der Aktivist, für den Margot schon bald mehr empfindet, weil er anders als viele Männer in ihrem Umfeld ist. Und auch Sue muss sich durchbeißen - zwischen einer Familie, die gelegentlich Probleme macht, aber auch den Schwierigkeiten, die sie hat, als sie ihre ersten Artikel einreicht.

Gerade jüngere Leser werden durch die lebensnahe Darstellung des Alltags erstmals bewusst erfahren können, wie sehr die Gesellschaft nach dem Krieg wieder in alte Muster verfallen ist, während heute Mädchen eher selbstverständlich ihren Träumen folgen können, auch wenn sie wenig „weiblich“ wirken.

Interessant ist es auch, mehr über die Arbeit des Geheimdienstes zu erfahren - so weit wie die Autorin Einblicke in die damaligen Methoden erhalten durfte und konnte. Das Ganze ist zudem auch noch mit einem persönlichen Twist versehen, was die besondere Wahrnehmung Margots betrifft.

Heraus kommt eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Geschichte, die sehr atmosphärisch erzählt wird und neben einem interessanten Plot auch Einblicke in das normale Leben von Frauen kurz nach dem Krieg bietet.

„Die Kryptografin - Für Träume braucht man Mut“ ist ein Historischer Roman, der vor allem durch die atmosphärische Schilderung des Lebens zweier junger Frauen, die aus dem Rahmen der Gesellschaft in den frühen 50er Jahren fallen, gefällt und durch die interessanten Einblicke in die Anfänge des Auslandsgeheimdiensts BND.