Gry Kappel Jensen: Tochter des Nebelwaldes (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Mittwoch, 04. Februar 2026 14:19

Gry Kappel Jensen
Tochter des Nebelwaldes
Eventyr-Saga 1
(I den mørke skov (Eventyrsagaerne 1), 2024)
Übersetzung: Meike Blatzheim und Sarah Onkels
Carlsen, 2026, Hardcover, 304 Seiten, 15,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Auch in anderen Ländern als den USA und England erscheinen interessante Fantasy-Romane für Erwachsene, wie aber auch Jugendliche. Allerdings greifen deutsche Verlage nur selten darauf zurück. „Tochter des Nebelwaldes“ von der dänischen Autorin Gry Kappel Jensen ist deshalb eine Ausnahme und auch der Auftakt der „Eventyr-Saga“.
Nach dem Tod der Mutter leben die Schwestern Ava und Linn zusammen mit ihrem Vater in einer Hütte am Rand des Dorfes. In diesen harten Zeiten gibt es als Schreiner kaum Geld zu verdienen und so verschwindet der Vater spurlos, obwohl sie ein neues Leben wagen wollten.
Ava und Linn irren alleine umher und landen schließlich bei einer abgelegenen Kate, in der die unheimliche Nebula mit einer Schar von Kindern lebt. Doch ist sie wirklich so freundlich und hilfsbereit, wie sie sich gibt? Oder doch eher eine fiese Hexe?
Wer sich ein wenig an „Hänsel und Gretel“ erinnert fühlt, ebenso wie an „Krabat“ und vielleicht auch „Ronja Räubertochter“, der liegt gar nicht so falsch, denn die Autorin bedient sich durchaus verschiedener Motive, die man aus diesen Geschichten kennt.
Da ist das abgelegene Haus mit der kinderfreundlichen alten Frau, die mehr über die Natur und Magie weiß; die Zeit, in der das angesiedelt ist, erinnert ein wenig an das spätmittelalterliche Skandinavien und so fort. Aber natürlich geht die Geschichte ganz andere Wege, bleibt sie doch nahe an der Heldin Ava, die erst einmal nicht so ganz verstehen kann und will, was Nebula eigentlich will und sich darüber ärgert, dass Linn von ihr getrennt wird.
Deshalb ist sie auch nicht so offen gegenüber den anderen Kindern, die der „Hexe“ vollkommen verfallen zu sein scheinen - aber das sorgt natürlich auch für eine solide Spannung, die sich gerade zum Ende hin immer mehr steigert. Denn wie man sich denken kann, ist die Welt außerhalb der Gemeinschaft viel grausamer, auch wenn die Beschreibungen auf einem eher jugendgerechten Niveau bleiben. Alles in allem ist die Handlung glaubwürdig und ansprechend aufgebaut, weiß immer wieder durch kleine Wendungen zu fesseln und konzentriert sich ganz auf die Entwicklung Avas, die irgendwann auch bereit ist, das, was in ihr schlummert, anzunehmen.
Das Abenteuer richtet sich bewusst an jüngere Leser und betont den Wert von Freundschaft und Vertrauen, auch wenn sich natürlich erste leise Gefühle zu einem der bei Nebula lebenden Jungen entwickeln dürfen.
Der erste Band der „Eventyr-Saga“ mit „Tochter des Nebelwaldes“ bietet spannende Unterhaltung, die Werken aus dem englischsprachigen Raum in nichts nachsteht, ja sogar herausragt, weil durch den anderen Hintergrund der Autorin durchaus frischen Wind in diesen Jugendbuchbereich gebracht wird.