Nghi Vo: The Empress of Salt and Fortune - Die Chroniken von Chih 1 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 22. Januar 2026 14:05

Nghi Vo
The Empress of Salt and Fortune
Die Chroniken von Chih 1
(The Empress of Salt and Fortune - The Singing Hills Cycle 1, 2020)
Übersetzung: Stephanie Pannen
Titelbild: Alyssa Winans
Cross Cult, 2026, Paperback, 160 Seiten, 15,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Manche Geschichten leben nicht unbedingt von ihrer Handlung, sondern mehr durch die Erzählweise. Und die ist bei „The Empress of Salt and Fortune“, dem ersten Band von „Die Chroniken von Chih“ sehr eigen, weil sie gerade den westlichen Leser klar herausfordern dürfte.
Ihre Familie wurde besiegt, die Brüder sind tot und das Land gehört nun dem Kaiser des Südens. Dennoch nimmt er In-Yo zur Frau, damit ein gemeinsames Kind endlich die beiden Reiche miteinander verbindet. Und als sie ihre Pflicht erfüllt hat, schickt er sie in die Verbannung.
Seit ihrer Ankunft im Kaiserlichen Palast ist die junge Adlige aus dem Norden scheinbar allein, aber ausgerechnet Kaninchen, ein Dienstmädchen, das von ihrer Familie für Farbe an den Palast verkauft wurde, wird ihre engste Vertraute und Freundin, die sie von nun an auf ihrem Weg begleiten wird.
Und der endet nicht an dem abgelegenen Ort, an den In-Yo geschickt wird, denn die junge Kaiserin ist nicht bereit, einfach klein beizugeben, nachdem sie so übel benutzt wurde, auch wenn sie ihre Zeit braucht, sich zu erholen, ehe sie anfängt, Pläne zu schmieden, um sich an dem Kaiser und den Leuten aus dem Palast zu rächen.
Kaninchen ist immer an ihrer Seite, wie ihre Herrin ein aufgeweckter und intelligenter Geist, der ähnliche Qualitäten mitbringt, wie ihre Kaiserin, die nach dem ersten Schock auf sehr interessante Weise aktiv wird. Sie ist es auch, die diese ganze Geschichte auf sehr eigenwillige Weise erzählt und damit ihre Zuhörer in den Bann schlägt, vor allem Chih, dey gebannt zuhört, um eigene Schlüsse daraus zu ziehen.
Die Künstlerin siedelt die Novelle zwar in einer Fantasy-Welt an, bezieht sich aber doch recht stark auf das alte China mit seinen starren und verkrusteten Regeln, das Einiges an Herausforderungen für junge Frauen bietet, aber doch auch Chancen.
Durch die persönliche Erzählweise bleibt die Handlung eng an den Figuren, deshalb sollte man auch keine Schlachten-Beschreibung erwarten, sondern eher stille Intrigen im Hintergrund, einen Kampf, der nicht mit Waffen geführt wird, sondern mit wohlplatzierten Codes und Worten.
Das mag dem einen oder anderen Leser sicherlich langweilig erscheinen, hat aber dennoch seinen Reiz, denn die Autorin fordert bewusst heraus, sich Einiges selbst zu denken, wirft oft nur kryptische Andeutungen in den Raum und erzeugt eine mystische Atmosphäre, die auch noch durch einen Hauch von Magie vertieft wird.
„The Empress of Salt and Fortune“, der erste Band von „Die Chroniken von Chih“, ist sicher nichts für jeden Fan, aber durchaus faszinierend für diejenigen, die bei ihrer Lektüre mitdenken wollen und gerne zwischen den Zeilen lesen mögen. Denn die Erzählweise ist eher kryptisch-poetisch und lebt mehr von Andeutungen als geradlinig, direkt und offen zu sein.