Deborah Ellis: Sonne an dunklen Tagen (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Freitag, 16. Januar 2026 00:07

Deborah Ellis
Sonne an dunklen Tagen
(One More Mountain, 2022)
Übersetzung: Brigitte Rapp
cbt, 2026, Taschenbuch, 160 Seiten, 10,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Bereits in „Die Sonne im Gesicht“ erzählte Deborah Ellis von Parvana, die nach der Machtübernahme der Taliban versuchte, ihre Familie durchzubringen, indem sie sich als Junge verkleidete. „Sonne an dunklen Tagen“ setzt nun etwa zwanzig Jahre später ein, kurz nach der erneuten Machtübernahme in Afghanistan.
Eigentlich hatte Parvana geplant, dass ihr Sohn Rafi in New York ein freies und selbstbestimmtes Leben fernab der Taliban führen sollte, aber es kommt anders als gedacht. So muss der Junge in den chaotischen Tagen im Jahr 2021 zurück zu ihr finden.
Aber auch Parvana, die nicht aufgehört hat, junge Frauen zu beschützen und auszubilden, muss ihr Zuhause verlassen und mit ihrer kleinen Gemeinschaft fliehen, denn sie sind selbst in dieser abgelegenen Gegend nicht mehr vor einem Zugriff der Milizen sicher.
Inzwischen ist die erneute Machtübernahme der Taliban in Afghanistan aufgrund anderer Krisen wieder völlig in den Hintergrund gerückt und man kann nur vermuten, wie es den Frauen dort ergeht. Aber bereits die hier vorliegende Geschichte zeigt, dass sich seit der ersten Machtergreifung, nach einer Phase der Hoffnung, eigentlich nichts verändert hat.
Zwar gibt es auch unter den Taliban immer noch gute Kämpfer, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben, aber alles in allem werden doch wieder die Regeln und Gesetze durchgeprügelt, die angeblich islamisches Recht sind. Und das setzt Deborah Ellis sehr lebendig in Szene. Sie zeigt, wie die Hoffnungen der Menschen erneut zerstört werden, im Großen wie im Kleinen, wie Frauen versuchen, sich gegen das ihnen auferzwungene Schicksal zu wehren.
Und so lernt man in Parvanas Umfeld auch wieder einige sehr interessante Frauen-Charaktere kennen, die in der Zeit der Entspannung selbstbewusst ihren Weg gegangen sind und sogar im Polizeidienst arbeiteten und jungen Mädchen helfen, die in eine Ehe gezwungen werden sollen.
Die Autorin konzentriert sich bewusst auf Einzelschicksale - auch das von Rafi, der sich entscheidet, nicht in Sicherheit zu flüchten - und macht die Geschehnisse so einfach nahbarer und nachvollziehbarer. Man merkt, dass sie gut recherchiert hat, denn sie weiß die Sicht der jungen afghanischen Frauen gut einzufangen und fesselnd umzusetzen. Da das Ganze eine überschaubare Länge hat, bleibt die Geschichte im Gedächtnis hängen und weckt so vielleicht größere Aufmerksamkeit und Achtung, gerade in einer Zeit, in der der Hass auf Flüchtlinge wieder wächst.
„Sonne an dunklen Tagen“ ist erneut eine aufrüttelnde Geschichte aus dem modernen Afghanistan, die in den Bann zu schlagen weiß und jungen Leuten vielleicht die Augen öffnet, wie es wirklich in dem Land aussieht, über dessen Flüchtlinge gerade wieder einmal so hergezogen wird.