Lisanne Surborg: Nachtlügen (Buch)

Lisanne Surborg
Nachtlügen
Hobbit Presse, 2025, Paperback, 464 Seiten, 17,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Bereits seit 2010 veröffentlicht Lisanne Surborg Kurzgeschichten und Romane, die vor allem im Bereich dunkler Fantasy angesiedelt sind. Am bekanntesten ist sie wohl durch die „Imperator“-Trilogie, die sie zusammen mit Kai Meyer verfasste. Nun stellt sie mit „Nachtlügen“ eine düstere Urban-Fantasy-Welt vor.


Als Nachtalb ist Isla nicht in der Lage zu träumen. Um aber ihre Gesundheit aufrechtzuerhalten, muss sie den Menschen ihre Lichtträume stehlen und ersetzt diese durch Albträume, die mit den tiefsten Ängsten der Schlafenden verbunden sind. Sie erwies sich dabei als ziemliches Naturtalent.

Doch eines Tages läuft alles aus dem Ruder. Denn nicht nur, dass sie eines Nachts einen Träumer zu Tode ängstigt, nein kurz danach verschluckt sie auch noch einen Klartraum und merkt zu ihrem Entsetzen, dass sich Halluzinationen in ihrem Alltag und auf ihrer Arbeit in einer Bar ausbreiten. Nun ist guter Rat teuer, ehe noch andere zu Schaden kommen.


Wenn das Buch eines nicht ist, dann geradlinig und überschaubar, denn die Autorin macht es den Lesern nicht immer leicht, herauszufinden, was wahr und was falsch ist. Zudem konzentriert sich die Handlung ganz auf Isla, so dass die anderen Figuren eher blass bleiben, wie Mittel zum Zweck. Dennoch merkt man, dass sie sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und auch viel von ihrem Wissen über Träume und Traumphasen einfließen lässt. Denn immerhin sind die Nachtalben keine Einzelkämpfer, sondern gut organisiert, mit einer entsprechenden Ausbildung und wichtigen Richtlinien, die natürlich hier überschritten werden, was dem Ganzen auch einen gewissen Thriller-Flair verleiht.

Während Isla selbst versucht, herauszufinden, was passiert ist und größeren Schaden verhindern will, fühlt sie sich auch beobachtet, vernachlässigt dabei ihre Schwester, die ihr wichtig ist und wird immer nervöser. Nach und nach fügen sich aber die ganzen Andeutungen und Hinweise zu einem glaubwürdigen Bild zusammen und eröffnen einen Weg aus dem Dilemma, der allen zugutekommt.

Alles in allem ist das flüssig geschrieben und wird in angenehm kurzen Kapiteln präsentiert, allerdings muss man sich auch auf das Thema und den Umgang damit einlassen können, um wirklichen Spaß zu haben. Doch gerade deswegen ragt der Roman auch aus der Masse anderer dunkler Urban Fantasy heraus, da Romantik keine Rolle spielt.

Wer sich mit Träumen beschäftigt, wird sich in „Nachtlügen“ schnell wiederfinden, aber auch Fans dunkler zeitgenössischer Fantasy können in einen Roman eintauchen, der Träume und Albträume einmal mit ganz anderen Mitteln aufgreift, als üblich und eine interessante Welt neben der unseren erschafft.