Jim Butcher: Eiskalt - Die dunklen Fälle des Harry Dresden 14 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 14. Dezember 2023 09:31

Jim Butcher
Eiskalt
Die dunklen Fälle des Harry Dresden 14
(Cold Days, 2012)
Übersetzung: Oliver Hoffmann & Katja Giehl
Blanvalet, 2023, Taschenbuch, 700 Seiten, 12,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Harry Dresden hat Ärger, mächtig großen Ärger sogar. Moment einmal, sollte es nicht „hatte“ heißen, Vergangenheitsform, schließlich war unser selbsternannter Beschützer Chicagos und Ex-Magier des Weißen Rates ja tot - na ja zumindest fast - und in seinem letzten Abenteuer nur in Geisterform unterwegs?
Doch seitdem hat sich seine Lage nicht unbedingt verbessert, sein Leben dagegen wurde und wird immer interessanter.
Seit er Mab als Winterritter dient, wurde er von ihr aufgepäppelt. Nachdem seine Rekonvaleszenz abgeschlossen ist, erhält der Killer des Winterhofs seinen ersten Auftrag.
Nun kann man von Mab sagen, was man will, aber einfallsreich ist sie. Nicht einen x-beliebigen Menschen, auch keinen normalen Sidhe soll Harry um die Ecke bringen, nein, Mabs eigene Tochter Maeve, eine Unsterbliche, soll dran glauben.
Dumm, dass ausgerechnet jetzt auch noch Harrys höchst geheime Insel im Michigan See, auf - besser unter - der seit Jahrhunderten die gefährlichsten unsterblichen Wesen der Welt inklusive einiger Götter eingekerkert sind; dabei ist, in die Luft zu fliegen und die Häftlinge auf die Menschenwelt loszulassen.
Wem das immer noch nicht reicht an Dramatik, der darf sich auf verteufelt gefährliche Alien-Psychopathen und eine Seuche freuen - und schon hat Harry genau einen Tag; um all das wieder ins Reine zu bringen…
Als Harry Dresden vom damals insolventen Verlag Feder & Schwert zu Blanvalet wechselte, konnten die Fans nur hoffen, dass sich die Bücher - immerhin versucht sich nach Knaur und Feder & Schwert bereits der dritte deutsche Verlag an der Reihe - auch verkaufen würden. Was man aus der Redaktion so hört, ist man beim Verlag ganz angetan von Autor und Reihe - eine Erfolgsstory also.
Mit vorliegendem Band schließt Blanvalet die Neuausgabe ab, danach warten noch die beiden bislang nicht auf Deutsch vorliegenden Romane auf uns.
Mit diesem Band wechselt die Übersetzung von Dorothee Danzmann wieder zu Oliver Hoffmann und Katja Giehl, und auch wenn die letzten Übersetzungen deutlich besser waren, merkt man doch, dass Harry wieder in die besten Händen zurückgekehrt ist.
Der Roman liest sich stilistisch flüssig, der Tonfall trifft genau das Schnoddrige, Selbstironische unseres Magiers, so dass wir uns ganz entspannt zurücklehnen können und mit klopfendem Herzen den neuen Fährnissen, die auf unseren Magier zukommen, folgen dürfen.
Inhaltlich wartet erneut eine Tour de Force auf den Leser. Nicht weniger als vier parallel angelegte Bedrohungen erwarten Harry und seine Welt, wobei Butcher geschickt nicht nur mit der Erwartungshaltung seiner Rezipienten, sondern auch mit falschen Fährten, Geheimnissen, Intrigen und gar merkwürdigen Gestalten spielt. Das ist großes, grelles und so manches Mal donnerndes Kino; die Spezialeffekte reihen sich nahtlos aneinander, so dass weder Harry noch der Leser groß zum Atemholen, Reflektieren oder Nachsinnen kommt.
Getrieben von der Deadline, die die Vernichtung seiner Heimat, ja der Welt befürchten lässt, verliert unser Filou ein wenig den Überblick, handelt nur noch spontan und planlos, wird getrieben und findet keine Zeit sich auch um das zu kümmern, was wichtig wäre.
Seine Freunde, die Liebe zu seiner Tochter, die Zuneigung zu den Frauen um ihn herum, das wird, wenn auch immer wieder angeschnitten, mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Im Zentrum steht ganz eindeutig die rasant ablaufende Handlung, Kämpfe satt und neue Geheimnisse.
Ich hatte als Leser das Gefühl, dass Butcher die Serie mit vorliegendem Band auf ein neues, ein weit größeres Fundament stellt, neue Ansätze hinzufügt und durchstartet. Erstaunlicherweise werden dabei keine alten Zöpfe abgeschnitten, bleiben die Gefährten, wenn auch in neuen Rollen, mit an Bord.
So bleibt unser Magier frisch und voller Kraft - wenn auch müde - zurück und blickt ein wenig sorgenvoll in seine Zukunft.