Marvel - Xaviers Institut 1: Freiheit & Gerechtigkeit für alle, Carrie Harris (Buch)

Marvel - Xaviers Institut 1
Freiheit & Gerechtigkeit für alle
Carrie Harris
(Liberty & Justice For All, 2020)
Übersetzung: Aimée de Bruyn-Oboter
Cross Cult, 2021, Taschenbuch, 326 Seiten, 15,00 EUR (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Durch die X-Men-Filme sind die Mutanten des Marvel-Universums auch einer breiteren Masse bekannt, aber nur diejenigen, die sich näher mit den Comics beschäftigt haben, schaffen es, problemlos in die hier vorliegende Geschichte einzutauchen, spielt diese doch in einem stark veränderten Universum, in dem Professor Xavier nicht mehr lebt und sein Freund wie Erzfeind Magneto zu den X-Men gekommen ist.


Um keine zu breite Angriffsfläche für die Regierung und S.H.I.E.L.D. zu bieten haben sich die Mutanten aufgeteilt. Jüngere Schüler werden nun im Neuen Charles Xavier Institut in einem verlassenen Armeestützpunkt unterrichtet. Zu ihren Lehrern gehören unter anderem Cyclops, Magneto und Emma Frost, die ihre Schüler nicht schonen und ihnen versuchen eines beizubringen: Gemeinschaft ist in diesen schweren Zeiten wichtiger denn je.

Triage ist ein junger farbiger Mutant mit großen Heilerkräften, Tempus eine Schülerin, die Zeitblasen erschaffen kann. Auf ihrer ersten Mission weichen sie allerdings vom Plan ab und folgen dem Notruf eines anderen Mutanten.

Sentinels, die neuen Kontrollroboter der Regierung, haben es offensichtlich auf einen mächtigen Mutanten abgesehen, der versucht einen Politiker zu schützen. Beide sind keine Freunde der X-Men, aber das, was sie zu hüten versuchen ist noch gefährlicher als beide zusammen…


Die Schüler des Instituts eigenen sich wunderbar dazu, auch eine jüngere Leserschaft für sich zu gewinnen. Teenager-Probleme, der Flair der Highschool und Internatsgeschichten vermischen sich mit knallharter Superhelden-Action, die natürlich auch immer wieder viele Zitaten einbringt, die auch Comic-Fans gefallen und Neuleser neugierig machen könnten.

Gerade jetzt, wo auch die Filme des Marvel Cinematic Universe viele neugierig machen könnten, werden die Geschichten umso interessanter. In dem Sinne versucht die Autorin auch, den Roman so unabhängig wie möglich zu machen und das nötige Wissen innerhalb der Geschichte zu vermitteln. So erfährt man gerade zum Anfang mehr über die derzeitigen Probleme, die die Mutanten haben und auf was sie derzeit achten müssen. Das gelingt ganz gut, allerdings bleibt auch nicht aus, dass man sich bei der einen oder anderen Anspielung außen vor fühlt.

Lässt man diese Dinge außer Acht, dann bietet die Geschichte all das, was man von einem Coming-of-Age-Roman erwartet. Die jungen Helden sind anfangs noch sehr unsicher, sich ihrer Kräfte nicht bewusst und von den Methoden ihrer Lehrer überfordert. Aber dann müssen sie sich einer Situation stellen, in der nicht nur ihr Können gefordert ist, sondern auch geschicktes Abwägen, da eine moralische Seite mitspielt.

Stilistisch ist an der Geschichte nichts auszusetzen, sie ist flott geschrieben und ohne Längen, bietet eine nette Mischung aus Abenteuer- und Jugendroman mit einem ordentlichen Schuss Superhelden-Flair.

„Freiheit und Gerechtigkeit für alle“ ist der erste Band von „Marvel: Xaviers Institut“, der die Leser in die Welt der Mutanten entführt und gleichzeitig den Spagat wagt, neue Leser mit frischen und unverbrauchten Helden zu locken, die sich erst noch beweisen müssen. Für Fans der Comics und auch der bisher entstandenen Filme gibt es immerhin den einen oder anderen Aha-Moment. Neuleser kommen aber auch zurecht, ohne den erwähnten Hintergrund wirklich kennen zu müssen.