Paul Kearney: Hawkwoods Reise / Die Ketzerkönige / Der eiserne Krieg - Die Königreiche Gottes 1 bis 3 (Buch)

Paul Kearney
Hawkwoods Reise
Die Königreiche Gottes 1
(Hawkwood’s Voyage - Monarchies of God 1, 1995)

Übersetzung: Michael Krug

Titelbild: Timo Kümmel
Atlantis, 2015, Paperback, 462 Seiten, 14,90 EUR, ISBN 978-3-86402-224-1 (auch als Hardcover und eBook erhältlich)

 

Paul Kearney
Die Ketzerkönige
Die Königreiche Gottes 2
(The Heretic Kings – Monarchies of God 2, 1996)
Übersetzung: Michael Krug
Titelbild: Timo Kümmel
Atlantis, 2015, Paperback, 388 Seiten, 14,90 EUR, ISBN 978-3-86402-264-7 (auch als Hardcover und eBook erhältlich)

 

Paul Kearney
Der eiserne Krieg
Die Königreiche Gottes 3
(The Iron Wars - Monarchies of God 2, 1999)
Übersetzung: Michael Krug
Titelbild: Timo Kümmel
Atlantis, 2016, Paperback, 282 Seiten, 13,90 EUR, ISBN 978-3-86402-378-1 (auch als Hardcover und eBook erhältlich)

Rezension von Karl E. Aulbach

Der nordirische Autor Paul Kearney hat nach seinem ersten Erfolg, „The Way to Babylon“, gleich einen Vertrag über sieben Bücher bei dem britischen Verlagshaus Gollanczs unterzeichnet. Darunter fiel wohl auch der Zyklus „The Monarchies of God“. Auf dem Cover prangt der Werbetext: „Einer der besten Fantasy-Schriftsteller überhaupt“; das mag eine für den Autor erfreuliche Rezension gewesen sein, aber es ist zugleich auch eine große Hypothek für die Bücher, da sich der Autor letztlich daran messen lassen muss.

Um wirklich zu den Besten zu gehören sollte ein Werk mehr beinhalten als leidlich spannendes Unterhaltungsniveau. Das ist hier leider nicht der Fall. Es gibt weder eine Message noch eine besondere intellektuelle Herausforderung, die der Erzählung einen Überbau geben würde.

Dafür wirkt die Geschichte in vielen Bereichen merkwürdig unstrukturiert. Sowohl die einzelnen Titel finden ein eher willkürliches Ende als auch die einzelnen Kapitel. Mal ändert sich innerhalb eines Kapitels der Handlungsstrang - davon gibt es entschieden zu viele -, mal geht ein neues Kapitel nahtlos auf der gleichen Handlungsebene weiter. Es ist nur eine Vermutung, aber fast scheint es, als habe der Autor wild darauf losgeschrieben, und immer wenn Abgabetermin war, einen Schnitt gemacht. Dafür würde auch sprechen, dass die ersten drei Bände von Mal zu Mal dünner werden.

Paul Kearney hat meines Erachtens viel zu viel in diesen Zyklus hineingepackt. Es gibt grob zwei Hauptebenen, die wahrscheinlich am Ende des Zyklus‘ vereint werden sollen, obwohl sie eigentlich nur schlecht zueinander passen. Besser wäre es daher gewesen, keine Serie aus dem Stoff zu machen, sondern sich auf zwei Romane zu beschränken. Ein guter, strenger Lektor hätte hier Wunder wirken können. Eine ordentliche Struktur und eine Kürzung des Textes um gut ein Drittel hätte der Geschichte gutgetan.

Die eine Handlungsebene ist schnell abgetan. Es handelt sich um eine ‚Kolumbiade‘, also im Prinzip eine Nacherzählung von Kolumbus‘ Entdeckung eines neuen Kontinents in Verbindung mit einer Werwolf-/Gestaltwandler-Thematik. Beides leider völlig ausgelutschte Themen, denen der Autor auch nicht viel Neues abzugewinnen weiß. Dieser Teil ist leider nur für besondere Freunde dieser Sujets von Interesse.

Weitaus spannender ist dagegen die zweite Hauptebene, die ebenfalls ein historisches Pendant hat. Unschwer lässt sich erkennen, dass hier die im Mittelalter erfolgte arabische Invasion Spaniens als Vorbild gedient hat. Der zeitgenössische Hintergrund des Islamismus dürfte angesichts der Entstehungszeit der Romane (die Original-Publikationen erfolgten ab 1995) allerdings keine Rolle gespielt haben.

Unter der Vielzahl der Protagonisten dieses Handlungsstrangs ragt der Soldat Corfe heraus, der noch am Ehesten als Sympathieträger dienen kann. Kearney verwendet viele Archetpyen, die jedoch kaum innere Entwicklungen durchmachen, sondern meist in ihrem vorgezeichneten Schema bleiben. Was Corfe halbwegs sympathisch erscheinen lässt, ist dann auch weniger sein Charakter als sein Mitleiderregendes Schicksal und seine nachvollziehbaren, darauf beruhenden Handlungen, die ihn zu einem unabsichtlichen Helden machen.

Die Schlachten-Beschreibungen - nicht das grässliche Gemetzel, sondern die strategischen Hintergründe - sind eine Stärke des Autors und gehören zu den spannendsten Elementen der Romane. Magie spielt nur eine untergeordnete Rolle und ist eher im Individualbereich angesiedelt.

Prinzipiell ist die Realitätstreue von Paul Kearneys Beschreibungen zu loben. Schlamm, Matsch, nicht zu essen. Leider wird das aber durch die Beschreibung heldenhafter Krieger, die trotz Verletzungen nicht nur tagelange Gewaltmärsche durchziehen, um danach ohne Pause eine Schlacht zu schlagen, wieder aufgehoben.

In Deutschland wurde der Zyklus erstmals zwischen 1997 und 2004 bei Bastei-Lübbe veröffentlicht. Die vorliegenden drei ersten Bände beim Atlantis Verlag sind 2015/2016 erschienen. Leider gibt die Internetrecherche zu den Atlantis-Ausgaben nicht viel her, und auch die Website des Verlags kennt keine interne Suchmöglichkeit. Bei ebay sind allerdings die Bände vier und fünf (Band 4: „Das zweite Imperium“; Band 5: „Der letzte Sturm“) zwischenzeitlich wohl auch von Atlantis zu haben. Da der weitere Handlungsverlauf aber eigentlich recht naheliegend ist und mich, wie ausgeführt, die erste Handlungsebene, die dann wahrscheinlich wieder dominanter wird, nicht interessiert, werde ich da wohl nicht weiterlesen.