Alsiha Bionda (Hrsg.): Sherlock Holmes und der Satan von Norfolk - Baker Street Tales 1 (Buch)

Alsiha Bionda (Hrsg.)
Sherlock Holmes und der Satan von Norfolk
Baker Street Tales 1
Titelbild und Innenillustrationen: Shikomo
Arunya, 2019, Hardcover, 264 Seiten, 14,90 EUR, ISBN 978-3-95810-033-6 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Carsten Kuhr

Schon seit geraumer Zeit erscheinen im Arunya Verlag die sogenannten „Baker Street Tales“. Eine Reihe von Novellen, in denen Sherlock Holmes, noch wichtiger und fast schon dominierend aber seine Entourage, insbesondere Dr. Watson, im Zentrum stehen.

Bislang sieben Novellen wurden im eBook-Format aufgelegt, die nun, in mehreren Hardcover-Bänden gesammelt und jeweils durch eine neue bis dato noch nicht veröffentlichte Geschichte ergänzt, die Buchregale der Fans schmücken sollen.

Inhaltlich hat die Herausgeberin ihren Verfassern recht freie Hand gelassen. Die jeweilige Erzählung sollte sich im üblichen Kanon des Detektivs aus der Baker Street bewegen, ansonsten haben die Autoren recht freie Hand. So ist es wenig verwunderlich, dass Holmes und Watson auf Dinge stoßen, die zunächst kaum erklärbar sind. Doch wie wusste Shakespeare schon so treffend zu sagen: Es gibt weit mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir…


Den Auftakt macht J. J. Preyer der uns in „Sherlock Holmes und das Phantom von Sharing Cross“ von einem ebenso intelligenten wie skrupellosen Verbrecher berichtet. Holmes hat diesem schon das Handwerk gelegt, die des schnöden Mammons wegen eingegangene Verlobung ist gelöst, allerdings zerstörte Säure die Augen des schuldigen Hypnotiseurs. Und dieser sinnt auf Rache - und findet eine Möglichkeit, auch ohne Augenkontakt seine Opfer zu manipulieren.
Eine gekonnte aufgezogene Geschichte ohne übernatürliche Bestandteile, die sich ganz auf vertrauten Holmes-Terrain bewegt.

Barbara Büchner ist eine der Autorinnen, die unter der Schirmherrschaft der Herausgeberin schon viel veröffentlicht hat. Vorliegend steuert sie mit „Sherlock Holmes und der geheimnisvolle Mister Scrabb“ eine Geschichte bei, die das Detektiv-Genre bestens mit dem Übernatürlichen verbindet und vereint.
Es geht um ein altes, komischerweise nicht verfallenes Anwesen, das einst eine obskure spanische Sekte gebaut hat. Auf dem Dach des später als Mädchen-Internat genutzten Gebäudes befindet sich eine Statue eines krabbenähnlichen Wesens, das einst von seinen Jüngern verehrt und angebetet wurde. Als das Anwesen von Nachfahren der ursprünglichen Eigner aufgekauft und wieder genutzt werden soll, geschieht gar Merkwürdiges, das sich auch unsere Ermittler zunächst nicht erklären können…
Geschickt mischt die Österreicherin in dieser auch atmosphärisch sehr dichten Novelle die übernatürlichen Anspielungen mit historischen Geheimnissen und der Suche nach der Wahrheit.

Es schließt sich mit Florian Hillebergs „Sherlock Holmes und der Satan von Norfolk“ nicht nur die Erstveröffentlichung, sondern auch die stimmigste, im Holmes-Kanon verwurzelte Erzählung an.
Versiert und mit viel Gefühl für die Art, wie Doyle seine Holmes-Erzählungen angelegt hat, geht es um einen mysteriösen Tod eines Widerlings. Was sich zunächst als rätselhaft, ja mysteriös präsentiert, das löst Holmes auf seine ganz eigene, deduktische Art und Weise.

Die letzte Geschichte stammt aus der Feder von Sophie Oliver. In „Sherlock Holmes und das Geheimnis der Narrenkappe“ findet unser Detektiv einmal mehr Motiv und Täter eines rätselhaften Verbrechens - auch wenn er selbst aufs Glatteis geführt werden sollte…


Wie wir dies von den Titeln des Arunya-Verlages gewohnt sind, werden diese durch farbige Original-Illustrationen geschmückt, das Buch wurde auf hochwertigem Papier gedruckt und liegt sehr angenehm in der Hand.

Die Beiträge selbst - beigefügt wurde dem Band noch ein Essay von Florian Hilleberg - bewegen sich stilistisch wie inhaltlich auf einem angenehm zu lesenden Niveau und bieten den Fans des Ermittlers neues, faszinierendes Lesefutter. Sie entführen uns in eine Zeit, in der selbst die Verbrecher noch ein wenig höflicher und menschlicher waren, als wir dies mittlerweile erleben, zeigen uns verblüffende Auflösungen rätselhafter Verbrechen und lassen sich zwischendurch oder auch am Stück bestens goutieren.