Gruselkabinett 140: Runenzauber, M. R. James (Hörspiel)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 11. Oktober 2018 22:54

Gruselkabinett 140
Runenzauber
M.R. James & Marc Gruppe (Script)
Sprecher: Bodo Primus, Kristine Walther, Reinhilt Schneider
Titelbild: Ertugrul Edirne
Titania Medien, 2018, 1 CD, ca. 60 Minuten, ca. 8,99 EUR, ISBN 978-3-7857-5720-8
Rezension von Christel Scheja
M. R. James (1862-1936) ist in der „Gruselkabinett“-Reihe kein Unbekannter mehr, von ihm wurde bereits eine Geschichte umgesetzt. Nun hat sich MarC Gruppe einer weiteren Erzählung aus seiner Feder angenommen und entfesselt den „Runenzauber“.
Es gibt zwar genügend Leute, die nicht sonderlich gut mit Kritik umgehen können, aber nur wenige, die sich für einen Verriss auch rächen wollen. Das bekommt der Kunstkritiker Edward Dunning zu spüren, der das Vortragsexposé eines gewissen Mr. Karswell für völlig unbrauchbar erklärt hat. „Die vielen Gesichter der Alchemie“ würde einfach nicht in eine renommierte, wissenschaftliche Umgebung passen.
Der Mann, der die Bewertung in Auftrag gegeben hat, Mr. Gayton, versucht ihn noch zu schützen, aber Karswell nutzt all seine Möglichkeiten, um die Wahrheit herauszufinden und Dunning nun mit allen Mitteln, die er besitzt, zuzusetzen. Schon bald wird dieser von unheimlichen Wahrnehmungen und Begebenheiten heimgesucht, die ihn ganz offensichtlich in den Wahnsinn treiben sollen.
Die Geschichte nimmt sich sehr viel Zeit, um sich zu entwickeln, daher darf man anfangs auch nicht ganz so viel Spannung erwarten. Denn das Hörspiel stellt erst einmal die wichtigen Figuren vor, auch die düsteren Facetten des Mr. Karswell, bei dem kein Zweifel daran gelassen wird, dass er nicht nur Alchemist, sondern auch Okkultist mit einem Hang zum Satanismus ist.
Nach und nach entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Dunning und Gayton versuchen, das Verhängnis für Ersteren aufzuhalten. Ob es ihnen gelingt bleibt natürlich bis zum Ende offen. Die Spannung bleibt allerdings moderat, weil sie erst viel zu spät anzieht, daran können auch die gelegentlichen Schock-Elemente nicht sehr viel ändern.
Die Figuren werden aber grandios dargestellt, Dunning wirkt auch stimmlich eher wie ein feinsinniger Denker, während Karswell seine bösen Gedanken aus jedem Wort erkennen lässt und damit ein Bösewicht erster Güte ist. Auch ergänzen sich die Dialoge gut mit der Musik und dem Klangteppich, so dass es da keine Diskrepanzen gibt.
Alles in allem ist „Runenzauber“ eine solide Geschichte mit interessanten Entwicklungen, die zwar etwas braucht, um in die Gänge zu kommen, aber am Ende durchaus zufriedenstellen kann, da die Handlung keine Fragen offen lässt und die Sprecher wieder einmal ihr Bestes geben, um die Figuren zum Leben zu erwecken.