Alex Jahnke (Hrsg.): Reiten wir! - Phantastikautoren für Karl May (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Freitag, 08. Dezember 2017 20:26

Alex Jahnke (Hrsg.)
Reiten wir! - Phantastikautoren für Karl May
Titelbild: Arndt Empting
Edition Roter Drache, 2017, Hardcover, 448 Seiten, 17,95 EUR,ISBN 978-3-946425-32-8
Rezension von Carsten Kuhr
Was passiert, wenn man gestandenen Phantastik-Autoren bittet, sich in einem Wild-West Szenario auszutoben? Mehr noch, eine Hommage an den größten deutschsprachigen Verfasser derartiger Werke, Karl May, sollte es werden. Phantastische Sequenzen waren obsolet, stattdessen sollten sich die Verfasser in die Geschichten, die Zeit und das Flair der Originale hineinfühlen.
Verbunden durch die Figuren Hobble-Frank und Tante Droll, beides sächsische Originale, und ab und an durch Ellen, die Tochter Old Firehands, legen nicht weniger als zwei Dutzend Autoren beredt davon Zeugnis ab, dass sie den Meister verinnerlicht haben. Ein ums andere Mal entführen sie uns in den Westen, als er noch wild war, als die Indianer noch stolz und integer über die Prärie ritten und die Schurken von den Sheriffs gejagt wurden.
Uns begegnen mutige Europäer, die in den Weiten des Landes ihr Glück suchen, Fallensteller, Pferdezüchterinnen, aber auch jede Menge Betrüger, Diebe und Mörder. Es gilt, die Silberbüchse Winnetous vor einem adeligen Grabschänder zu bewahren, Unrecht entgegenzutreten, die Emanzipation in den Saloons voranzutreiben und die Bösen zur Strecke zu bringen. Erstaunlich für mich, wie viele bekannte Autoren hier ihre Beiträge beigesteuert haben.
Es ist schon erstaunlich, was Menschen, die sich für Bücher wirklich interessieren, die nicht nur auf den schnellen Euro schauen, mit ihrem Enthusiasmus nicht alles auf die Beine stellen können. Die Edition Roter Drache hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie Bücher zu produzieren weiß, die besonders sind. Nicht nur inhaltlich wird dem bibliophilen Freund tolles Lesefutter angeboten, auch äußerlich überlegt man sich immer wieder ganz genau, wie man das Objekt Buch präsentiert.
Schauen wir uns also zunächst das an, was der Interessierte als Erstes zu Gesicht bekommt - das Buch von außen.
Abgerundete Ecken, dazu ein sehr passendes, auf den Inhalt zugeschnittenes Cover, dann aber kommt es: ein Gummiband, mit dem die Kladde geschlossen gehalten oder bei der gerade aktuellen Lesestellen eingehakt werden kann, das kennt man aus den 20er und 30er Jahren von den damals gebräuchlichen Notizbüchern - Indiana Jones lässt grüßen. Der Druck selbst ist sorgfältig, die Fadenheftung und ein Lesebändchen runden die mustergültige handwerkliche Arbeit ab.
Inhaltlich warten jede Menge spannende, manches Mal ergreifende, dann wieder dramatische Schilderungen auf uns. Die Hommage an die Werke des großen deutschen Erzählers erscheint gelungen, Abwechslung gibt es auch, so dass das Buch auf so manchem Gabentisch einen guten Eindruck hinterlassen würde. Er gilt einmal mehr der Satz - Zugreifen, bevor die Auflage vergriffen ist.