Hans Herrmann: Im Garten der Hesperiden (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Sonntag, 18. Juni 2017 10:56

Hans Herrmann
Im Garten der Hesperiden
Titelbild: Timo Kümmel
Atlantis, 2014, Paperback, 188 Seiten, 11,90 EUR, ISBN 978-3-86402-210-4 (auch als Hardcover beim Verlag und als eBook im Handel erhältlich)
Rezension von Karl E. Aulbach
Der Schweizer Journalist und Autor Hans Herrmann führt den Leser in seinem Roman „Im Garten der Hesperiden“ zurück ins Jahr 1415, in dem die Macht des Deutschen Ordens, der damals das Balitkum beherrschte, am bröckeln ist. Vor diesem Hintergrund erhält der junge Ordensritter Heinrich von Lohnsfeld den offiziellen Auftrag, mit einem Schiff den Seeweg nach Indien zu finden, um so über den lohnenden Gewürzhandel neuen Wohlstand und damit neue Macht für den Orden zu generieren.
Was er nicht weiß und was ihm und der Mannschaft erst auf hoher See vom Kapitän eröffnet wird, ist, dass der wahre Auftrag das Schiff in die bisher unerforschten Weiten des Atlantik führen soll, um dort die Reste der untergegangen Zivilisation von Atlantis zu finden.
Tatsächlich stößt man am Ende einer langen Reise, kurz vor der Aufgabe, auf eine exotische Insel. Nach anfänglichen Missverständnissen freundet man sich mit den Eingeborenen an und erfährt von denen von einer Insel des bösen Gottes, dem sie regelmäßig Menschenopfer leisten müssen. Dort entdeckt man Ruinen und Reste einer Hochzivilisation und im Inneren der Insel eine Pyramide, in der die feindseligen Bewohner gerade ein Menschenopfer darbringen.
Immer mehr zeigt es sich für Heinrich, dass der Kapitän des Schiffes nicht nur einen allgemeinen Auftrag hatte, sondern ganz gezielt nach einem besonderen Artefakt - dem Stein der Weisen - sucht. Das Ende der Geschichte möchte man an dieser Stelle nicht verraten, aber es ist dergestalt ausgelegt, dass der Verlauf der Geschichte, wie wir sie kennen, nicht gestört wird.
Stilistisch wäre noch etwas mehr drin, aber der Autor zeigt durchaus Potenzial und kann seine Fähigkeiten sicher noch verbessern. Man merkt auch, dass er diesbezüglich durchaus noch experimentiert; beispielsweise finden sich - durchaus passend - in der Geschichte ein Abschnitt in Tagebuchform oder auch ein Rückblick, eine Traumpassage etc.
Lobenswert ist, dass auf weitschweifige Füllsel weitgehend verzichtet und die Geschichte selbst relativ stringent vorgetragen wird. Die historischen Passagen zeugen von Sachkenntnis und lassen auch Alltagsprobleme, die bei anderen Autoren gern unter den Tisch fallen, nicht aus. Spannung wird zum einen durch die Rahmenhandlung, zum anderen aber auch durch den inneren Konflikt zwischen Heinrich und dem Kapitän, der sich ganz langsam steigert, erzeugt.
Insgesamt ein schön zu lesendes Buch, das auch äußerlich, durch das umlaufende Titelbild von Timo Kümmel aufgewertet wird.