Jeaniene Frost: Beautiful and Beastly - Verliebt in die Dunkelheit (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Samstag, 18. Juli 2026 15:33

Jeaniene Frost
Beautiful and Beastly - Verliebt in die Dunkelheit
(A Curse of Beast and Magic, 2026)
Übersetzung: Wolfgang Thon
Piper, 2026, Paperback, 426 Seiten, 18,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Es gibt Bücher, die bereits auf den ersten Blick eine Geschichte versprechen - und dann doch eine ganz andere erzählen. „Verliebt in die Dunkelheit“ von Jeaniene Frost gehört genau in diese Kategorie. Der Klappentext deutet eine Neuinterpretation von „Die Schöne und das Biest“ an. Doch hinter Ballkleid und Schlosskulisse verbirgt sich vorliegend etwas völlig anderes: eine temporeiche Urban Fantasy mit paranormaler Romantik, düsteren Kreaturen und einer Heldin, die buchstäblich ihr eigenes Monster mit - genauer gesagt - in sich herumträgt.
Raine Stone ist die einzige Überlebende eines grausamen Angriffs, bei dem ihre Familie ums Leben kam. Seitdem lebt eine Bestie in ihr - eine Kreatur, die sich von Gewalt, Schmerz und Chaos ernährt.
Frost formt aus diesem düsteren Ausgangspunkt eine überraschend faszinierende Handlung. Tagsüber arbeitet Raine als Krankenschwester in der Notaufnahme und nutzt die Energie der Bestie sogar, um Menschen zu heilen. Nachts wird sie zur mitleidlosen Verfolgerin, die Kriminelle jagt und deren Gewalt gegen sie gegen diese richtet. Zwischen Schutzengel und Rächerin bewegt sich eine Protagonistin, die deutlich interessanter ausfällt als viele Genre-Heldinnen der letzten Jahre.
Die eigentliche Faszination des Romans beginnt jedoch erst mit Remington „Remy“ Byrne, der zweiten Hauptfigur. Als Wächter zwischen der menschlichen Welt und einem Reich voller übernatürlicher Wesen ist er ausgerechnet der Mann, der alles bekämpfen sollte, wofür Raine steht. Dass zwischen den beiden dennoch eine gefährliche Anziehung entsteht, überrascht niemanden - schließlich bewegt sich Frost souverän im Bereich der Romantasy. Doch die Autorin nimmt sich Zeit, uns diese Entwicklung nachvollziehbar aufzuzeigen. Vertrauen wird nicht verschenkt, sondern erarbeitet. Aus Misstrauen wächst Respekt, aus Respekt Anziehung. Gerade dadurch funktioniert die Liebesgeschichte deutlich besser als bei vielen, ihrer Genre-Kolleginnen.
Besonders gelungen sind die Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren. Die Wortgefechte besitzen Witz und Tempo, ohne in die oft bemüht wirkende Aufgesetztheit abzurutschen, die derzeit viele Romantasy-Titel prägt. Stattdessen spiegeln sie die Persönlichkeiten der Figuren wider und verleihen ihrer Beziehung eine glaubwürdige Dynamik.
Nicht ganz so ausgewogen präsentiert sich hingegen die Erzählstruktur. Frost startet mit hohem Tempo und wirft ihre Leserinnen und Leser direkt ins Geschehen. Die ersten Kapitel entwickeln einen Sog, der neugierig auf Mehr macht. Im Mittelteil verliert die Handlung jedoch merklich an Schwung. Ausgedehnte Erklärungen zu Weltordnung, Machtgefüge und magischen Hintergründen bremsen die Geschichte immer wieder aus. Die komplexe Mythologie ist zwar interessant, wirkt stellenweise aber eher wie ein Hindernis. Erst im letzten Drittel zieht das Tempo wieder an und erinnert daran, wie unterhaltsam dieses Universum sein kann.
Dabei steckt durchaus Einiges an Kreativität in Frosts Neuinterpretation des Märchen-Klassikers. Der vielleicht cleverste Einfall des Romans besteht darin, die traditionellen Rollen umzukehren. Hier trägt die Heldin das Biest in sich, während der männliche Protagonist die Position des begehrten, beinahe unerreichbaren Gegenübers einnimmt. Diese kleine Verschiebung verleiht der Geschichte eine Eigenständigkeit, die über bloße Märchen-Zitate hinausgeht.
Für Fans von Urban Fantasy und paranormaler Romance bietet der Roman nahezu alles, was das Herz begehrt. Magische Intrigen, actionreiche Kämpfe, knisternde Spannung und Figuren, die moralisch nicht immer auf der richtigen Seite stehen. Dass die Geschichte mit einem deutlichen Cliffhanger endet, sei erwähnt.
So erwartet uns weniger eine Märchen-Adaption als eine moderne Urban-Fantasy-Romanze. Wer eine klassische Fantasy-Version von „Die Schöne und das Biest“ erwartet, ist hier falsch. Wer hingegen Lust auf eine düstere Welt zwischen Notaufnahme, Nachtjagd und übernatürlichen Machtkämpfen hat, findet hier einen unterhaltsamen, stellenweise spannenden Auftakt mit einer starken Heldin und einer Liebesgeschichte.