S. F. Williamson: Der Kodex der Drachen (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Freitag, 05. Juni 2026 13:41

S. F. Williamson
Der Kodex der Drachen
(A War of Wyverns, 2026)
Übersetzung: Antonia Zauner
Heyne, 2026, Hardcover, 416 Seiten, 24,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
In „Die Sprache der Drachen“ wurde der jungen Vivien Featherswallow bewusst, dass sie nicht länger nur an ihre Karriere denken kann, sondern in dem unter der Oberfläche schwelenden Konflikt auch endlich eine Seite wählen muss, vor allem, nachdem sie die Kommunikation der geflügelten Echsen entschlüsselte. Nun geht es in „Der Kodex der Drachen“ spannend weiter.
Weil ihr es gelungen ist, nicht nur die Sprache der Drachen zu entschlüsseln, sondern auch eine Verschwörung aufzudecken, die bis hinauf in die höchsten Kreise der Regierung reicht, ist nun auch noch ein Krieg ausgebrochen, der auch in ihrem Umfeld schon viele Tote verursacht hat, unter anderem Viviens Freund Atlas.
Als neues Gesicht der Rebellion ist sie selbst in Gefahr geraten. Deshalb bleibt ihr nichts anderes als die Flucht aus London heraus, wenn sie ihre verbliebenen Gefährten und ihre Schwester Ursa retten will. Da erfährt sie von einer Gruppe Wyvern auf einer der nördlichen schottischen Inseln, die vielleicht wichtige Verbündete werden könnten.
Der erste Band nahm sich die Zeit, das Szenario aufzubauen und so diese Parallelwelt des Jahres 1923 zu zeigen, in der Drachen eine nicht unerhebliche Machtposition besitzen und mehr oder weniger über das Schicksal der Menschen bestimmen, auch wenn die Mächtigen noch glauben, sie hätten alle Fäden in der Hand.
Vivien Featherswallow sollte in einer streng geheimen Einrichtung ihre linguistischen Fähigkeiten der Regierung zur Verfügung stellen, obwohl ihre Eltern wegen Hochverrats verhaftet wurden. Interessant dabei war der Haupt-Schauplatz, denn mit Bletchley Park verbinden Geschichtskundige auch noch etwas anderes.
Doch es ist alles anders gekommen als geplant, Vivien hat durch ihre Forschungen und die Entschlüsselung der Sprache der Drachen eher die Dinge herausgefunden, die verborgen bleiben sollten. Und so wird nun mit relativ offenen Karten gespielt, das Regime zeigt sein wahres Gesicht. Und ausgerechnet die abgelegene Insel Canna scheint den Schlüssel für den Sieg der Rebellen zu besitzen.
Die Autorin erzählt eine spannende Geschichte, in der sie viele Elemente einbaut, die man auch aus der Geschichte um den Zweiten Weltkrieg herum kennt, vermischt mit abenteuerlichen, aber auch magischen Elementen. Die Drachen bleiben faszinierend unabhängig und eigenwillig, haben eine ganz eigene Kultur, die so viele Facetten zeigt, wie es Spezies gibt. Hier kommt die Fantasy auch weiterhin deutlich zum Tragen, vermischt mit spannenden Geheimdienst-Ermittlungen und einer Heldin, die deutlich zwischen den Stühlen sitzt.
Liebe und Leidenschaft bleiben eher im Hintergrund, tatsächlich geht es in erster Linie darum, dass Vivien sich immer wieder selbst neu definiert - denn je mehr sie erfährt, desto klarer muss sie Position beziehen und entscheiden, wer und was ihr wichtig ist.
Das sorgt ebenfalls dafür, dass man am Ball bleibt, auch wenn natürlich das eine oder andere Element der Romantasy miteinfließen darf. Die Geschichte bietet deshalb weitaus mehr als vergleichbare Werke, weil sich die Autorin treu bleibt, das Abenteuer und die Entwicklung der Heldin, wie auch des Hintergrunds in den Mittelpunkt stellt. Die Handlung ist immerhin weitestgehend in sich geschlossen, auch wenn klar ist, dass mindestens noch ein Roman folgen dürfte.
„Der Kodex der Drachen“ macht da weiter, wo „Die Sprache der Drachen“ aufhörte. Die Autorin bleibt sich selbst treu und bietet auch weiterhin ein spannendes Abenteuer mit interessanten Intrigen und Entwicklungen, das sich weiter vor allem auf den Facettenreichtum und die Magie der Sprache konzentriert und den Drachen noch mehr eigene Persönlichkeit und Farbe gibt. Ebenso wie der Heldin, die sich ein weiteres Mal neu definieren muss.